Skeleton Coast Friedhof für Schiffsbrüchige

Von der Skelettküste Richtung Swakopmund.

Die Skeleton Coast hoch im Nordwesten Namibias ist ein bedrückender Ort.
Wie rau die Küste sein kann, sieht man daran, dass eine Vielzahl von Walskeletten am Ufer neben denen der Menschen in der Sonne bleichen. Viele Schiffswracks sind die ganze Küste hinauf verteilt und bieten neben den vielen Knochen, einen schaurigen Anblick.

Neben der ungeheuer großen Zahl an Schiffswracke findet man hier nicht nur die Skelette von Walen sondern auch die Skelette der verdursteten Seeleute, die hier wegen der rauen See gestrandet sind.

In den nördlichen Teil der Skeleton Coast kommt man nur mit einem speziellen Permit.
Bis Torra Bay kann man ohne jegliche Probleme die ca. 300 Km auf asphaltierte Küstenstraße fahren. Die eigentliche Skelettküste erstreckt sich dann weitere 400 Km nach Norden bis zur Grenze nach Angola. Seit dem Mittelalter strandeten hier bei dichtem Nebel, heftigen Stürmen und tückischen Strömungen hunderte von Schiffen. Die Schiffsbrüchigen mussten qualvoll verdursten. Durch die Wüste, und das auch noch zu Fuß, hatten sie nicht die geringste Chance.

Die Attraktion von Cape Cross, ist die Robbenkolonie

Eine gute halbe Autostunde weiter südlich zweigt ein Seitenweg zum Meer ab. Cape Cross.
Nicht weit entfernt, hinter einer Mauer, liegt ein Meer wogender Leiber. Die etwa 100.000 Zwergpelzrobben sind die Attraktion von Cape Cross. Pelzrobben können bis zu zwei Meter lang werden. Allerdings muss man den atemberaubenden Gestank ertragen, wenn man sie sehen will. Der Geruch ist so penetrant, dass Insider sagen, man solle sich Kleidung anziehen, die man anschließend heiß waschen kann, damit der anhaftende Gestank wieder raus geht. Ganz so schlimm fand ich es nicht, aber ich gebe zu, es stinkt schon gewaltig. Schlimmer ist, dass man den Geruch mit ins Auto nimmt und der damit einem für längere Zeit „erhalten“ bleibt.

Wenn die Robben Junge bekommen, haben die Schakale, Hyänen und der berüchtigte Strandwolf „gedeckten Tisch“.

Strandwolf Namibia870x450

Robben sehen diese Tiere nicht als ihre natürlichen Feinde an und lassen sie völlig unbeachtet. Außer dem Strandwolf, der ein Robbenjunges mit einem Biss seiner extrem scharfen Zähne schnell töten kann, Hat der Schakal keine andere Möglichkeit, als das Jungtier zu ersticken. Wenn man bedenkt, dass etliche Jungtiere bei den Kämpfen der Bullen einfach platt gedrückt werden, tröstet man sich damit, dass das einfach Natur ist.

Auf unserem Weg zurück in Richtung Swakop fällt auf, dass uns sehr viele Geländewagen mit Halterungen an den vorderen Stoßstangen, entgegenkommen. Die Halterungen sind für die mehrere Meter langen Angelrutengedacht, mit denen man die Schnur bis weit in den Atlantik werfen kann.

Um die Angelruten nicht in der Hand halten zu müssen, werden sie in den Halterungen an den Geländewagen fixiert, die wiederum bis dicht an das Wasser gefahren werden. Bei großen Fischen, und nur um die geht es hier, ist ganz schön viel Zug am Haken.

Etwa 70 Km nördlich von Swakopmund, immer entlang der Atlantikküste, erreichen wir Hentiesbaai oder, im englischen Henties Bay genannte.

Vom Feriendomizil zur Anglerhochburg

Major Hentie van der Merwe aus Kalkfeld entdeckte 1929 eine Frischwasserquelle und verbrachte fortan hier seine Ferien. Freunde gesellten sich in den Folgejahren zu ihm. Das es hier ein Anglerparadies gab, sprach sich schnell herum und von der anfänglichen Bretterbude wurde über einen Campingplatz allmählich der Ferienort Hentiesbaai.

Heute leben hier ständig ca. 4.000 Einwohner und der Ort verfügt über alles, was eine Kleinstadt ausmacht. Sogar einen Leuchtturm gibt es hier.

Um Weihnachten und Neujahr können es auch schon mal 10.000 Menschen sein, die den Ort bevölkern. Es hat sich unter den Menschen, die der Anglerleidenschaft frönen herumgesprochen, dass sie hier ein nahezu ideales Anglerparadies vorfinden.

Angler in Hentiesbaai 870x450

Die Petri Jünger waren so verwöhnt, dass sie Kabeljau oder Rotbrasse, die weniger als 20 Kg wiegen, ins Meer zurückwerfen haben. Was weniger schön ist, ab und zu werden auch Haie aus dem Wasser gezogen.

Der Amtsschimmel wiehert kraftvoll

Inzwischen hat die neue Regierung unter anderem Gesetzesänderungen auch auf dem Angelsektor erlassen. Inzwischen sind Fische mit 20 Kg und mehr kaum noch zu fangen.
Alle Fische, unter 50cm Länge, müssen auch wieder in die See geschmissen werden und dürfen noch eine Runde wachsen. Alles darüber wird immer weniger. Auch wie viel Fisch man am Tag angeln darf, ist strikt begrenzt worden und pro Angel Permit ist nur 1 Angel erlaubt. Diese Reglementierung sei notwendig geworden, seit russische Trawler mit Fabrikschiffen bis direkt an die Skeleton-Küste fahren und sich einen Sch….. um die 12 Meilen Zone scheren.

Es werden derzeit viel mehr „Untermass“ Fische gefischt, wobei der Naturschutz zumindest in der Saison wirklich täglich stramme und konsequente Kontrollen entlang der Küste durchführt und alle „Sünder“ zahlen hohe Strafen.

Das ganze Jahr über reisen etliche Angler auch aus Südafrika an, ja es gibt Liebhaber, die aus der ganzen Welt anreisen, besonders um die Weihnachtszeit, wenn die großen Angelwettbewerbe stattfinden.

Freunde von mir wurden selbst weit im Norden, mehr als 500 km von Swakop entfernt, immer wieder kontrolliert auf Permit, Anzahl der Angeln und Größe der Fische die in der Wanne lagen. Das geht soweit, dass es sogar verboten ist, Köpfe und Schwanz abzuschneiden, damit der Beamte die genaue Länge messen kann.

Golf Hentisbaai 870x450

Im Jahre 2010 wurde bei Henties Bay ein 2 x 9 Loch Wüstengolfplatz eröffnet. Ein eigenartiger Anblick. In der gelben Wüste auf einem Par 70 Platz ein im Jahre 2011 auf vollgrüne neun Löcher umgebauter Parcours mit einer Länge von ca. 4.800 Metern.

Für Golfliebhaber gibt es erstaunlich viele Plätze, die auch sehr gut frequentiert sind. Aber ehrlich, möchten Sie hier spielen?

Wir fahren zurück Richtung Swakopmund, jedoch nicht, bevor wir einen Abstecher zur Mondlandschaft gemacht haben.

Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

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