Die Atlantikküste, tödliche Gefahr und Quell des Lebens

Direkt nach Etoscha oder entlang der Atlantikküste?

Ich habe jetzt mindestens zwei Möglichkeiten, von Twyfelfontein aus weiter in Richtung der Atlantikküste zu fahren. Entweder fahre ich über Khorixas und Outjo zur Etoschapfanne, oder ich „nehme die Atlantikküste noch mit“. Wenn ich schon hier im Westen bin, habe ich mich entschieden, zurück über Khorixas und Uis nach Hentiesbaai zu fahren.

Haie und große Fische, Anglerparadies Hentiesbaai

Schon lange vor Henties Bay kommen uns Geländewagen mit speziellen Halterungen an der Stoßstange entgegen. In manchen stecken meterlange wippende Angelruten. Angler kommen von weit her, um hier im Anglerparadies der Atlantikküste zu fischen. Selbst aus Südafrika kommen Petri Jünger, um ihrem Hobby zu frönen.

Zeiten, in denen Kabeljau oder Rotbrassen, die weniger als 20 Kg wogen, zurück ins Meer geworfen wurden, sind auch hier vorbei. Die Atlantikküste Namibias mit dem sehr kalten Wasser des Benguela Stroms, gehört zu den Fischreichsten Gewässern der Welt. Leider wird auch dieses Gebiet von riesigen „Fischfabriken“ russischer Fangflotten vom Fisch dezimiert.

Zu Weihnachten zieht ein Angelwettbewerb aber immer noch weit mehr als 500 Teilnehmer aus aller Welt an. Hier gibt es auch spezielle Anglerhotels. Leider werden auch etliche Haie gefangen, die für den Angler eine echte Trophäe sind.

Hentiesbaai Fisching 870x450

Eine gute halbe Autostunde weiter nach Norden zweigt ein Seitenweg zur Atlantikküste ab. Cape Cross. Als dem portugiesische Seefahrer Diogo Cão 1486 endlich Land gemeldet wurde, muss ihm ein Stein vom Herzen gefallen sein. Die Enttäuschung war dann sicher groß. Hier am Kreuzkap gab es nur Felsklippen und Wüste. Frischer Proviant und Wasser waren nicht vorhanden. Kapitän Cão ließ ein Kreuz aufstellen und machte sich auf den Heimweg. 400 Jahre lang stand es hier unberührt, dann wurde es gestohlen. Heute steht hier eine Kopie mit einem Hinweis auf Kaiser Wilhelm.

Stinkende Sehenswürdigkeit

Nicht weit entfernt, hinter einer Mauer, liegt ein Meer wogender Leiber. Die etwa 100.000 Zwergpelzrobben sind die Attraktion von Cape Cross. Pelzrobben können bis zu zwei Meter lang werden. Allerdings muss man den atemberaubenden Gestank ertragen, wenn man sie sehen will. Der Geruch ist so penetrant, dass Insider sagen, man solle sich Kleidung anziehen, die man anschließend heiß waschen oder gar wegwerfen kann, damit der anhaftende Gestank wieder raus geht. Ganz so schlimm fand ich es nicht, aber ich gebe zu, es stinkt schon gewaltig. Schlimmer ist, dass man den Geruch mit ins Auto nimmt und der damit einem für längere Zeit „erhalten“ bleibt.

Wenn die Robben Junge bekommen, haben die Schakale, Hyänen und der berüchtigte Strandwolf „gedeckten Tisch“.

Robbenkolonie mit Schakal870x450

Robben sehen diese Tiere nicht als ihre natürlichen Feinde an und lassen sie völlig unbeachtet. Außer dem Strandwolf, der ein Robbenjunges mit einem Biss seiner extrem scharfen Zähne schnell töten kann, Hat der Schakal keine andere Möglichkeit, als das Jungtier zu ersticken. Wenn man bedenkt, dass etliche Jungtiere bei den Kämpfen der Bullen einfach platt gedrückt werden, tröstet man sich damit, dass das einfach Natur ist.

Ein Qualvoller Tod war den Schiffsbrüchigen sicher

Bis Torra Bay kann man ohne jegliche Probleme die ca. 300 Km auf asphaltierte Küstenstraße fahren. Die eigentliche Skelettküste erstreck sich dann weitere 400 Km nach Norden bis zur Grenze nach Angola. Seit dem Mittelalter strandeten hier bei dichtem Nebel, heftigen Stürmen und tückischen Strömungen hunderte von Schiffen. Die Schiffsbrüchigen mussten qualvoll verdursten. Durch die Wüste, und das auch noch zu Fuß, hatten sie nicht die geringste Chance.

Skeleton Coast 870x450

Wie rau die Küste sein kann, sieht man daran, dass eine Vielzahl von Walskeletten am Ufer neben denen der Menschen in der Sonne bleichen. Viele Schiffswracks sind die ganze Küste hinauf verteilt und bieten neben den vielen Knochen, einen schaurigen Anblick. Für den Bereich der Skeleton Coast nördlich Torra Bay braucht man ein Permit, das Spezialanbietern vorbehalten ist. Hier muss man also die Tour bei einem Spezialisten buchen.

1.500 Km Wüste, kein Wasser, 50 Grad heißer Sand. Und doch, die Wüste lebt.

Die Namib erstreckt sich über eine Länge von 1.500 Km und einer Breite von bis zu 200 Km entlang der Küste. Staubtrockene Geröllebenen, Dünenfelder und Salzpfannen machen jegliches Leben unmöglich?

Nein, die Wüste lebt. Die über der eiskalten Atlantikküste aufsteigenden Nebel ziehen bis tief in das Innere der bis zu 50 Grad heißen Wüste und der kondensierende Tau schlägt sich als Wasser nieder und ermöglicht es den Tieren und Pflanzen zu überleben. Es ist unglaublich, mit welchen Mitteln sich Tier- und Pflanzenwelt den Bedingungen angepasst haben.

Namib im Norden870x450

Ein klein wenig Rücksicht schont das Ökosystem

Die Namib Wüste gehört zu den unberührtesten Regionen Namibias. Jeder der sich hier aufhält, sollte sich auf den dafür vorgesehenen Wegen bewegen. Das empfindliche Ökosystem kann unwiederbringlichen Schaden erleiden. Spuren sind oft Jahrelang sichtbar und Flechten, Samen und Kleintiere werden ge- und zerstört. Eine Unart, die mich auf die Palme bringt ist, wenn Einheimische und Urlauber mit Quads durch die Wüste brettern. Der Schaden ist irreparabel, der hier angerichtet wird.

Sorry, ich will kein Spielverderber sein. Es gibt genug Möglichkeiten, sich auszutoben, aber das muss nicht wild im Gelände sein. Ich liebe dieses Land einfach.

Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

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