Etoscha Pfanne – „Großer weißer Platz“

Ersten Nahziel, die Etoscha Pfanne

Nach ein paar Tagen der Erholung und Gedankenaustausch mit der Familie
meines Bruders, den ich doch schon wieder zwei Jahre nicht gesehen hatte, geht es weiter nach Norden zur Etoscha Pfanne. Auf der Rückfahrt nach dem Süden werde ich auf der Farm erneut ein paar Tage Halt machen.

Ich fahre die C 33 über Kalkfeld nach Outjo, um Okaukuejo in der  Etoscha Pfanne zu erreichen.

Es wäre auch möglich, die B1 bis Tsumeb zu nehmen um dann nach links in Richtung Namutoni zu fahren. Aber ich möchte erst nach Okaukuejo. Da es schon ein wenig später ist, möchten wir innerhalb der Etoscha Pfanne die etwas mehr als 130 Km lange Strecke nach Namutoni innerhalb des Parks fahren. Wir erhoffen uns, doch schon einige Tiere zu Gesicht zu bekommen. In der Sprache der Ovambos heißt Etoscha Pfanne soviel wie „großer weißer Platz“, was den Nationalpark recht gut beschreibt.

Im am Südwestrand der Etosha Pfanne, einer Salzpfanne, liegenden Okaukuejo befinden sich zugleich der Haupteingang zum Etosha Park sowie die Parkverwaltung. Okaukuejo hat zwar ein mit Flutlicht beleuchtetes Wasserloch, an dem man das Wild auch nachts aus geringer Distanz beobachten kann, unser Ziel liegt aber etwas weiter im Osten, das Camp Namutoni in einem ehemaligen Fort der Schutztruppe. Es hat ebenfalls eine eigene Zufahrt zum Park.

Namutoni870x450

Altes deutsches Fort Namutoni

Gleich nach der Einfahrt haben wir großes Glück. Ein mächtiger Elefantenbulle steht direkt vor uns auf der Pad. Scheint ein Einzelgänger zu sein. Hier ist immer ein wenig Vorsicht geboten. Ein Stück weiter sehen wir die ersten Giraffen und Zebras an den Wasserlöchern. Auf der Fahrt zum Namutoni Camp kommen uns dann ganze Herden von Giraffen, Kudus, Impalas und Springböcke vor die Kamera. Die Regenzeit hat noch nicht begonnen und die Tiere sind auf die Wasserlöcher angewiesen. Nach gutem Regen verteilen sich die Tiere doch auf ein riesiges Gebiet, weil sie überall Wasser bekommen. Wir beziehen unser Zimmer und ich muss sagen, in Namibia habe ich schon schönere Unterkünfte gehabt. Was soll’s, wir wollen ja nur 3 Tage bzw. zwei Übernachtungen, bleiben.

Etoscha Pfanne, ein wenig größer als Israel

Etoscha ist mit 22.000 Quadratkilometer so groß wie Israel und seit 1907 bereits ein Nationalpark. Die dürre Grassavanne unterscheidet sich von allen anderen Wildparks im Land. Da hier das Wild nicht von Bäumen verdeckt wird, bieten sich hervorragende Möglichkeiten, die Tiere auch auf eine größere Entfernung sehen zu können. Nach recht ordentlichem Frühstück geht es früh los. Wir fahren ein Stück und sehen die ersten Giraffen und Zebras, die die kühlen Morgenstunden genießen.

Ezoscha Elefanten870x450

Unterwegs haben wir eine Reifenpanne. Es ist strengstens verboten, das Fahrzeug zu verlassen. Löwen oder Leoparden können ganz schön unangenehm werden. Aber was sollen wir tun. Schließlich sind wir alleine und es ist nicht damit zu rechnen, dass jemand von der Parkverwaltung zur Hilfe kommt.

Nach sorgfältiger Rundumsicht vom Wagendach aus, ist keine Gefahr zu sehen. Also raus, und schnell den Reifen gewechselt. Wir haben immer ein Auge auf die Umgebung, aber alles ist ruhig.

Reifenwechsel mit „voller Hose“

Nachdem der Reifen gewechselt ist, kann es weiter gehen. Keine fünfzig Meter weiter bekommen wir einen gehörigen Schrecken. Ein ganzes Rudel Löwen liegt direkt neben der Pad und sonnt sich. Offensichtlich waren die satt. Das hätte ganz schön in die Hose gehen können.

Die anderen Auswahlmöglichkeiten, die wir heute früh noch diskutiert haben, waren Halali und das Dolomite Camp – Namutoni verfügt aber ebenfalls über ein beleuchtetes Wasserloch zur Wildbeobachtung. Diverse Unterkünfte, 2 Restaurants, Swimmingpool, Kiosk und Campingplatz, und von dort aus kann man geführte Pirschfahrten bei Tag und bei Nacht innerhalb der Etoscha Pfanne unternehmen.

Halali liegt in der Mitte der beiden oben genannten Camps und ist jeweils etwa 70 Km davon entfernt – damit hat es keine eigene Zufahrt, quasi als Entschädigung dafür aber sehr schöne Wildbeobachtungsstellen, die ebenfalls nachts beleuchtet sind. Das Dolomite Camp hingegen verfügt über einige recht hochwertige Chalets und drei Luxus-Bungalows.

Im Nordosten wäre noch das neue Camp Onkoshi gelegen, das aber nicht selber angefahren werden kann. Also wird man hier ab Namutoni per Shuttle an das Ziel gebracht.

Purer Luxus mitten im Busch

Stilvolle Safari-Zelt- Unterkünfte liegen auf erhöhten hölzernen Decks, so dass es ausgezeichnete Möglichkeiten zur Wildbeobachtung gibt. Die Geschichte ist – gelinde gesagt – hochpreisig, und fiel damit irgendwie aus dem Rahmen. Unser Favorit war erst Halali, weil es über eine ganze Menge Infrastruktur verfügt – nach einigem Hin und Her haben wir uns dann aber doch für das Fort entschieden.

Ongava Lodge Etoscha870x450

Der Tag vergeht gemütlich, wir gehen es heute etwas ruhiger an, machen am späten Nachmittag noch eine kurze Fahrt in den Park. Am Abend geht die Sonne wirklich dramatisch schön unter – und irgendwie ist es gerade richtig schön, in Afrika zu sein.

Die zwei Tage im Park vergehen wie im Nu, wir sehen auf unterschiedlichen Pirschfahrten eine ganze Menge Tiere, vor allem nachts, am beleuchteten Wasserloch ist das sehr beeindruckend. Fotomotive gibt es zuhauf, die Bildersammlung für zuhause wächst mächtig an.

Abends Sonnenuntergänge, die wirklich jeden Tag genauso schön sind wie am ersten Abend. Eigentlich könnt man hier noch eine ganze Weile bleiben, die Landschaft genießen, den Park erkunden. Aber wir haben uns noch vorgenommen, noch etwas „Strecke“ zu machen. Also packen wir am dritten Tag morgens wieder, und machen uns weiter auf den Weg.

Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.