Ein Blick in den Fish-River-Canyon lässt dir den Atem stocken

Ein Blick in den Fish-River-Canyon lässt dir den Atem stocken.

Wenn man schon im Süden Namibias ist, geht kein Weg am Fish River Canyon vorbei. Von Lüderitz kommend nehmen wir die B4 und fahren die rund 300 Km bis zur Farmerstadt Seeheim, um im Seeheim Hotel zu übernachten.

Das historische Hotel liegt völlig alleine und hat einen mittleren Standard. Da wir weiter zum Fish River Canyon wollen, ersparen wir uns die rund 50 Km nach Keetmanshoop, nur um zu übernachten. Zum Fish River Canyon sind es ca. 140 Km, die wir am nächsten Tag in Angriff nehmen wollen.
Das Abendessen im Hotel ist sehr gut, die Zimmer sind sauber und die Inhaber außerordentlich freundlich. Die Freundlichkeit der Menschen ist typisch für Namibia und begegnet einem nahezu überall.
Am nächsten Morgen geht es weiter, nachdem wir nur eine Tasse Kaffee getrunken haben. Ich frühstücke gerne etwas später. Reine Gewohnheit.

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Absolutes High Light, der Fish River Canyon

Der 160 Kilometer lange und 27 Kilometer breite Fish River Canyon ist ein absolutes High Light. Nach dem Grand Canyon in den USA, ist der Fish River Canyon der zweitgrößte Canyon der Welt. Er ist unser eigentliches Ziel an diesem Tag.
Der Canyon am Unterlauf des Fisch-Flusses gehört zu den eindrucksvollsten Naturschönheiten im südlichen Teil Namibias.
Zu beiden Seiten dieses gewaltigen Tals, senkt sich das Gestein jäh bis zu 550 Meter zum Flussbett ab. Die teilweise 2.600 Millionen Jahre alten Granite und Gneise, lassen das Herz eines jeden Geologen höherschlagen. Unseres auch, aber eher wegen der schier enormen Ausmaße des Canyons und seiner mächtigen Wände.

Namibias faszinierende Geologie

Ganz Mutige gehen den langen Fischfluss-Canyon-Wanderpfad zu Fuß. Dieser Weg gehört zu den anstrengendsten Wanderungen, die man in Namibia machen kann. Vier Tage, 86 Km, wenig Wasser, viel Hitze, kaum Schatten und ein Pfad, der sich mit Geröll, tiefem Sand und Flussquerungen abwechselt.

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Nichts für Leute mit schwacher Kondition. Da wir aber heute nicht ganz so mutig sind, und auch die Anstrengung eines 86-Kilometer-Marsches irgendwie wenig verlockend finden, nehmen wir die deutlich bequemere AutoRoute, die 60 Kilometer entlang der Schlucht führt und zu den schönsten Aussichtspunkten abzweigt. Hier am Fuße des Fish River Canyons wurden auch die Rekordtemperaturen von 55 ° C. gemessen.

Die Entstehungsgeschichte der Erde direkt vor Augen, wo gibt es das sonst?

Ganz außergewöhnliche Ausblicke über den Canyon hat man vom Aussichtspunkt „Hikers Point“, von wo auch ein Abstieg zur Talsohle möglich ist. Weitere 8 Km in südlicher Richtung kommt man zum Aussichtspunkt „Schwefelquelle“, der ebenfalls einen imposanten Einblick in den Canyon möglich macht.

Vor uns tut sich dort immer wieder ein wirklich beeindruckendes Panorama auf, und auch mein Bildmaterial wächst wieder einmal deutlich an.

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Der Fish River Canyon entstand vermutlich vor rund 500 Millionen Jahren während einer regenreichen Epoche. Die Schlucht entstand jedoch nicht allein durch Wassererosion sondern durch Einbrechen der Talsohle auf Grund von Bewegungen in der Erdkruste.

Da der Fish River bereits in Hardap bei Mariental aufgestaut wird, führt er meist nur geringe Wassermengen mit sich. Im Winter, während der trockenen Jahreszeit, sieht man oft überhaupt kein Wasser bzw. nur einzelne Tümpel. Nach durchaus möglichen Regengüssen im Sommer, kann er sich jedoch in einen reißenden Strom verwandeln.

In der sonst vollkommen ebenen Landschaft taucht urplötzlich der Rand des Canyons auf. Der Anblick ist erst einmal unfassbar und unglaublich schön.

Aussichtspunkte von atemberaubender Schönheit.

Vor 300 Millionen Jahren floss der Fish River zum ersten Mal – dann, vor 130 Millionen Jahren erhöhte sich die Fließgeschwindigkeit durch den einbrechenden Boden drastisch und der Fluss schnitt immer tiefer in die Landschaft. Die Entstehung des zweitgrößten Canyons der Welt nahm ihren Lauf.

Der Fish River Canyon beeindruckt durch seine einzigartige Landschaft. In der ausgebrannten Umgebung sind nur ein paar Büsche am Canyon Grund zu sehen. Vereinzelte Köcherbäume und Kameldorn gibt es am Rand des Canyons und unterbrechen die triste Landschaft. In den größeren Tümpeln lebt eine Vielzahl an Fischen, wie Barsche Karpfen und Welse.

Da ist auch mal ein Leopard zu sehen.

Ab und zu verirren sich auch Antilopen, Zebras, Kudus oder Springböcke in das Tal. Hier sollen auch Leoparden leben, die man allerdings normalerweise nicht zu Gesicht bekommt.

Wenn Sie allerdings den strapaziösen Weg durch den Canyon wagen wollen, geht das nur zwischen Mitte April und Mitte September. In der restlichen Zeit sind Durchquerungen wegen der Hitze nicht gestattet.

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Flussabwärts ist rund um die heißen Quellen von Ai-Ais (heiß-heiß, wie treffend!) ein kleiner Kurort entstanden. Es gibt eine gleichbleibende Wassertemperatur von 60°. Wegen der großen Hitze und der hier herrschenden Luftfeuchtigkeit bleibt der Kurort im Sommer geschlossen. Wahrscheinlich auch eine tatsächlich kluge Entscheidung.

Entbehrungsreiche Jahre während des Krieges

Als der zweite Weltkrieg begann, haben sich die beiden deutschen Geologen Henno Martin und Hermann Korn in der Wüste verstecken wollen, um der Internierung zu entgehen. Der einsame Fish River Canyon erschien ihnen als ideales Versteck um die Zeit des Krieges zu überstehen, zumal der Canyon Grund nicht so einfach zu erreichen war.

Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste.

Ausgestattet mit einer Schrotflinte und einer Pistole mit sehr wenig Munition mussten sie versuchen, sich zu selber versorgen. Wild bekamen sie selten zu sehen, und wenn doch, kamen sie nicht nah genug heran.

Eine große Freude und auch Überraschung muss es für die beiden Flüchtlinge gewesen sein, als sie in den Vertiefungen des Flussbettes dicke Karpfen und andere Fische entdeckten. Mitten in der Wüste Fische, die auch noch leicht zu fangen waren, welch ein Reichtum. Sie nannten die Felsbastion „Karpfenkliff“, und so heißt sie heute noch.
Die Geologen erforschten, erkundeten und kartographierten die wilde Schluchtenlandschaft und die Ergebnisse gelten heute noch als Basiswissen.

Nach entbehrungsreichen Jahren mussten sie aufgeben, denn Hermann Korn litt an akutem Vitamin-B-Mangel, der sich in Lähmungen äußerte. Um sein Leben zu retten, stellten sie sich in Windhoek den Behörden.
Da der Krieg fast vorbei war, blieb ihnen die Strafe erspart, obwohl sie die Behörden mehr als zwei Jahre genarrt hatten.
Nach Kriegsende konnte sie nach der Zahlung einer Geldstrafe als Geologen in den Dienst der südafrikanischen Regierung treten.

Ein faszinierendes Buch, das zu lesen sich lohnt.

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Namibias faszinierende Geologie

Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste.

 

Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

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