Heiße Dünenbesteigung in Sossusvlei

Sossusvlei mit den höchsten Dünen der Welt

Angekommen in Sossusvlei ist es ein Muss, die Düne 45 zu „erklettern“. Die Düne hat übrigens ihren Namen, weil sie 45 Km von Sesriem entfernt ist. Da muss man erst drauf kommen.

Schritt für Schritt kämpfen wir uns die Düne hinauf. Was von unten noch einigermaßen machbar aussieht, entpuppt sich bei jedem weiteren Schritt als Quälerei. Der einzige Trost ist, dass wir trotz unseres Alters fast besser hinaufkommen, als manche junge Leute.

Der lose Sand wird durch den starken Wind gegen die Beine gepeitscht. Das Laufen auf weichem Sand ist an sich schon nicht leicht, die Düne hat allerdings zum Teil enorme Steigungen und man rutscht bei jedem Schritt ein Stück zurück.
Viele Besucher brechen schon nach kurzer Zeit ab und gehen zurück. Leider verpassen sie den überwältigenden Rundblick von der rund 170 Meter hohen Düne. Für den Aufstieg haben wir eine gute halbe Sunde gebraucht, und das bei der Hitze.
Keine schlechte Leistung für uns „alte Männer“.

Nach zwei wunderschönen Tagen in Sossusvlei, dem erklettern der Düne 45 und dem Besuch des beeindruckenden Dead Vlei, haben wir eine Menge toller Fotos im Kasten. Jetzt machen wir uns auf den Weg Richtung Osten um Maltahöhe an der C19 zu erreichen, die nach Mariental führt.

Ehemaliges Zentrum der Karakulzucht

In dem bei den umliegenden Farmern und Reisenden beliebten kleinen Ort Maltahöhe decken wir uns mit etwas Obst und Wasser ein und vergessen auch nicht, zu tanken. Nach Mariental sind es zwar nur etwa 100 Km, aber man kann ja nie wissen. Im Hotel Maltahöhe kann man gut übernachten, wenn man von Süden oder Osten kommend nach Windhoek weiterwill. Da wir aber gerade von Sossusvlei kommen, wäre eine Übernachtung zu früh. Maltahöhe ist auch dadurch bekannt, dass es in früherer Zeit die Hochburg der Karakulzucht war.

Hardap_Damm Namibia 870x450

Der beliebte Urlaubsort Mariental erwartet uns als nächstes, nur wenige Kilometer entfernt liegt der Hardap Damm. Er ist mit 25 Quadratkilometern Namibias größter Stausee. Dort gibt es ein Erholungsgebiet mit Bungalows, Camping- und Wohnwagenplätzen. Ein wirklich gutes Restaurant mit nationalen und internationalem Angebot. Ein erstklassiges Mittagessen lassen wir uns nicht entgehen, begleitet von einer Menge von Tieren in der Umgebung.

Die Trockenheit der letzten Jahre hat der Wassermenge sehr zugesetzt. Hier wird der Fischfluss mit einer mehrere Hundert Meter langen Staumauer gestaut. Die Wassermenge der Talsperre ermöglicht die Bewässerung der umliegenden Farmen und natürlich des Orts Mariental mit Süßwasser.

Über 150 Vogelarten soll es hier geben, erzählt uns ein anderer Urlauber, den wir hier treffen. Ebenfalls ein Deutscher, aus Mannheim. Wir unterhalten uns noch eine Weile, dann müssen wir aber weiter, wir haben heute noch ein volles Programm.

Eine Strecke ist schöner als die andere.

In Maltahöhe musste man sich entscheiden, welche Strecke man nehmen will. Die C14 über Helmeringhausen bis zur C13 und dann weiter nach Lüderitz, oder die C19 bis Mariental und dann nach Süden. Wir entschieden uns für letztere Streckenführung. Nun wenden wir uns weiter nach Süden in Richtung Lüderitz über die B1. Nach Keetmanshoop ist es doch ein ganz schönes Stück. Die Strecke wird aber nie langweilig, gibt es doch viel zu sehen.

Gutes Kartenmaterial hilft hier weiter.

Rund 30 Kilometer westlich der Stadt verlaufen die Boguberge, die zur Großen Randstufe gehören, und durch deren Hügellandschaft auch der Fischfluss verläuft. Das Landschaftsbild ist abwechslungsreich und rechts und links der Piste ist viel Wild zu sehen.

Keetmanshoop liegt knapp 500 Kilometer südlich von Windhoek an der B4 und ist Verkehrsknotenpunkt für den Straßen- und Bahnverkehr und Versorgungszentrum für den gesamten Süden Namibias. Keetmanshoop zählt heute rund 20.000 Einwohner und eignet sich gut als Zwischenstation, da es einige komfortable Hotels und einen sehr guten Campingplatz gibt.

Ehemalige Missionsstation Keetmanshoop

Wir machen Quartier in Keetmanshoop. Durch die Fahrt und die brütende Hitze bin ich doch recht müde, obwohl ich nur den kleineren Teil der Strecke gefahren bin.

Die ehemalige Missionsstation wurde 1894 zur deutschen Garnisonsstadt. Am Bahnhof und einigen größeren Gebäuden erkennt man noch ein wenig die koloniale Vergangenheit, die berühmten Tinten klecksenden, streng blickenden wilhelminischen Beamten sind aber glücklicherweise schon lang verschwunden.

Die alte Kirche in Keetmanshoop beherbergt heute ein Museum, in dem die Geschichte der Stadt illustriert ist. Sehenswert ist auch das alte „Kaiserliche Postamt“ aus dem Jahre 1910, dass heute die Touristeninformation beherbergt.

So, jetzt nur noch duschen, ein prima Abendessen und ein erstklassiges Glas Wein auf der Terrasse und man kann zufrieden den Tag ausklingen lassen.

Köcherbaumwald 870x450

Wenige Kilometer nördlich von Keetmanshoop liegt der als Nationalmonument deklarierte Köcherbaum-Wald, dem wir einen Besuch abstatten. Das Wort „Wald“ hat in Afrika eine andere Bedeutung, als bei uns. Mit 250 Millionen Jahre alten, versteinerten Riesen kann er es aber in Sachen Eindruck eindeutig nicht aufnehmen, stellen wir fest. Trotzdem, die große Zahl der Bäume, es sollen an die 200 Stück sein, ist in einer Gegend, in der normalerweise keine Bäume vorkommen, ein beeindruckender Anblick.

Video: Spielplatz der Riesen

Eine weitere, wirklich beeindruckende Sehenswürdigkeit ist „Der Spielplatz der Riesen“. Die massigen Felsblöcke sehen aus, als seien sie von Riesen kunstvoll aufeinander gestapelt. Ein unglaublicher Anblick. Die Gesteinsblöcke bestehen aus 180 Millionen Jahren altem Basalt vulkanischen Ursprungs. Ein mehrere Kilometer langer Rundweg führt durch das beeindruckende Gelände. Das sollte man sich auf jeden Fall gönnen.

Am nächsten Morgen geht es weiter über die B4 nach Lüderitz, aber nicht, bevor man einen Abstecher nach Kolmanskop gemacht hat.

Warum die reichste Stadt Namibias zur Geisterstadt wurde

Als man 1908 die ersten Diamanten fand, wurde ein Boom ausgelöst, der zu schnellem Wachstum des Diamantensucher-Camps geführt hat. Der durch die Diamantenfunde entstandene Reichtum ließ einen Ort entstehen, in dem es allen Luxus gab, der für Geld zu bekommen war –- Kolmanskop – .

In dieser lebensfeindlichen Umgebung lebten ca. 400 Menschen in herrschaftlichen Häusern aus Stein nach deutschem Vorbild. Jede Kleinigkeit musste über hunderte von Kilometern herangeschafft werden. Gab es doch in weiter Umgebung keinerlei Infrastruktur, kein Wasser, es regnete nie, in den Sandböden konnte absolut nichts wachsen. Regelmäßige Sandstürme und extreme Hitze machten die Lage nicht leichter.

Kolmanskop 870x450

Es gab Verwaltungs- und Dienstgebäude, es gab ein Elektrizitätswerk und sogar ein Krankenhaus mit einer Röntgenstation. Lt. Wikipedia die erste auf der ganzen Südhalbkugel.

Weiter gab es Eisschränke, Geschäfte, Metzger, Bäcker, eine Schule und eine Eisfabrik, die Blockeis für die Kühlschränke produzierte. Es gab sogar eine Kegelbahn und ein Meerwasserschwimmbad.
Auf einer eigens gebauten Schmalspurbahn wurde alles was benötigt wurde, aus dem rund 1000 Km entfernten Kapstadt herantransportiert.

Kolmanskop konnte nur ein Paradies auf Zeit sein. Die Diamantenfelder waren bald ausgebeutet und die Funde verlagerte sich immer weiter nach Süden.
Im Jahr 1930 wurde der Diamantenabbau eingestellt. Die Bewohner verließen bald den Ort und überließen ihn der Wüste, die sich im Laufe der Zeit zurückholte, was ihr der Mansch abgerungen hatte.

Durch die Trockenheit sind die Gebäude sehr gut erhalten geblieben. Heute ist Kolmanskop zwar eine Geisterstadt, die aber als Museumstadt den Besuchern erhalten bleibt. Ich kann nur sagen, ein Besuch der beeindruckt.

Ein Beispiel für Wagemut und Dekadenz in einem.
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Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

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