Eine Abfahrt für Lebensmüde. Der Van Zyls Pass

Der Van Zyls Pass ist nur was für Profis

Nach den spektakulären Epupa Fällen wollen wir zu der „halsbrecherischsten“ Strecke im Norden Namibias, dem Van Zyls Pass. Von Epupa geht es nach Süden bis nach Okangwati. Die Strecke ist unproblematisch und auch die Durchfahrten der Trockenflüsse (Riviere) bereiten keine Probleme.

Besonders hier ist gute Ausrüstung lebensnotwendig

Wer das Kaokoveld durchqueren will, sollte gut ausgerüstet sein. Benzin, bzw. Diesel, Wasser und Lebensmittel für mehrere Tage sind zwingend notwendig. Sie sollten davon ausgehen, dass man den Pass ohne Reifenschaden nicht überqueren kann. Eine Mitnahme von mindestens zwei Ersatzreifen halte ich für zwingend notwendig. Das Risiko darf auf keinen Fall unterschätzt werden.

Ohne GPS geht gar nichts

Von Okangwati muss man die Abzweigung in Richtung Oropembe nehmen. Hier kann man sich ganz schön verfahren. Es empfiehlt sich, ein GPS Gerät dabei zu haben. Kann man auch recht preiswert leihen und hat eine Menge Vorteile. Die Strecke ist ein Gemisch von Sandpads und „Wellblech“ – Straße. Aber schon die eigentliche Zufahrt zum Van Zyls Pass über die D 3703 hat es in sich. Der Untergrund besteht aus Felsen und einzelnen „Brocken“, die selbst einen Geländewagenfahrer zu äußerster Vorsicht zwingen. Wer jetzt daran denkt, kehrt zu machen, ist beileibe kein Feigling. Es gibt eine Möglichkeit, den Van Zyls Pass zu umfahren. Ich muss an einen Spruch aus meiner Jugend denken. (Vorsicht ist keine Feigheit, Leichtsinn ist kein Mut.)

Wenn ich allerdings gewusst hätte, was auf mich zukommt, ich weiß nicht, was ich getan hätte.

Himba Kinder Kaokoveld 870x450

Entlang der ganzen Strecke gibt es Himba Siedlungen und vor allem die Kinder betteln immer wieder um Sweeties. Nicht zuletzt wegen der Schritt- Geschwindigkeit sind sie lange an unserer Seite. Natürlich haben wir immer, wenn wir im Kaokoveld unterwegs sind, ein paar Geschenke dabei. Etwas Zucker, Mehl oder Kaffee (Mit Zichorie) und natürlich Tabak lassen die Himba noch mehr strahlen, als sonst.

Atemberaubender Ausblick

Der Ausblick von der Passhöhe in das endlos weite Marienflusstal ist überwältigend. Man hatte uns empfohlen, erst den Abstieg zu Fuß zu erkunden, um wenigstens ungefähr die Route festlegen zu können, kann man doch aus der Fahrerperspektive fast nichts sehen. Eine falsche Richtung und es gibt kein zurück.

Auf dem Bild ganz oben kann man einigermaßen erkennen, wie klein tief unten die Bäume und Tiere sind. Jetzt steht man an der Passkante und es geht gefühlt senkrecht nach unten über eine Fahrbahn, über die man auch ebenerdig nie fahren würde. Nur ein kleiner Fahrfehler und das Fahrzeug hätte sich nach vorne überschlagen.

Nun heißt es tief durchatmen und allen Mut zusammennehmen und los geht es. Gleich zu Anfang geht es wirklich extrem runter. Wegen der schlechten Sicht für den Fahrer sollte der zweite Mann oder die Frau der/die einweist, dem Fahrer klare Informationen geben, wie er fahren soll und wie er lenken muss. Gar nicht so einfach!

Van Zyls Pass2 870x450

Die Gefährlichkeit des Passes ist durch die Steinformationen gegeben. Meist stehen spitze Steine senkrecht in die Höhe und reißen regelrecht Löcher in die Reifen oder ganze Stücke der Lauffläche lösen sich ab. Hinzu kommt, dass dauernd starkes Gefälle und wieder ein kurzes Stück Steigung sich abwechseln. Hier ist neben einem erfahrenen Fahrer ein starker Motor wichtig. Wenn nicht sowieso vorhanden, ist eine Differenzialsperren dringend empfohlen.

Wenn man es schon fast geschafft hat, kommt zum Ende noch eine Gefällstrecke, die es in sich hat. Hier besteht die Gefahr, dass man an den bis zu 60 cm hohen Treppenförmigen Absätzen aufsetzt und hängen bleibt. In der Regenzeit ist der Pass gesperrt. Ein Abrutschen wäre die Folge, droht doch so schon immer ein Totalverlust.

Wer hier hängen bleibt, verliert sein Fahrzeug

Lange hieß es, der Pass könne nur in Ost – West Richtung durchfahren werden. Inzwischen gibt es „einen verrückten“ Engländer, der es in halsbrecherischen Fahrten auch Bergauf geschafft haben soll. Meine Bewunderung ist ihm sicher.

Unten angekommen, wird erst einmal geprüft, wie die Reifensituation ist. Man darf nie vergessen, dass man es mit den vorhandenen Reifen noch bis Opuwo schaffen muss, und das ist eine Tagesreise entfernt. Immerhin gibt es dort einen Reifenhändler, der einem aushelfen kann.

Wenn irgend möglich, sollte man nicht alleine, das heißt, mit einem Auto fahren. Im Falle eines Falles benötigt man Hilfe und die ist leichter möglich, wenn ein weiteres Fahrzeug anwesend ist. Die Fahrt über den Van Zyls Pass gehört zu den spektakulärsten Fahrten, die ich je gemacht habe. Faszination und Angst wechseln sich ab.

Van Zyls Pass 870x450

Jetzt habe wir uns ein Bier verdient, haben wir doch dieses fahrerische Highlight ohne einen Totalverlust an Reifen überstanden. Die Reifen sind zwar ein wenig ramponiert, werden uns aber noch bis Opuwo erhalten bleiben.

Obwohl ich das nicht so sehr mag, verewigen wir uns auf einer Steinplatte und legen die zu den anderen Platten, die von Van Zyls Pass Bezwingern hier hinterlegt wurden.

https://youtu.be/qW3ljBKcGDk

Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

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