In der Regenzeit gelten andere Bedingungen

In der Regenzeit ist der Caprivi zu gefährlich

Von Ruacana geht es erst einmal zurück zur Farm Erindi Onganga. Es sieht so aus, als wolle die Regenzeit beginnen. Es hat heftig geregnet und es hat keinen Sinn, etwas zu riskieren, indem wir versuchen, in den Bereich des Okavango oder in den Caprivi Zipfel einzufahren. Wenn sich das Wetter beruhigen sollte und sich die Niederschläge in Grenzen halten, werden wir in der nächsten Woche einen neuen Versuch starten.

Immer entlang der Etoschapfanne:

Wir nehmen die C 35 und fahren südwärts bis Kamanjab. Kamanjab ist ein „Nest“ mit immerhin rund 5.000 Einwohnern, einem Flughafen und diverse Übernachtungsmöglichkeiten. Von hier werden gerne Safaris in den Etoscha Park und das Damaraland gestartet.

In der Nähe gibt es ein Himbadorf, in dem die Ovahimba noch weitestgehend so leben, wie vor dem Einfluss der weißen Bevölkerung. Sie strahlen einen Stolz und auch eine Freundlichkeit aus, die mich immer wieder fasziniert. Die nackten, rot bemalten Körper sehen wirklich gut aus.

Himbadorf870x450

Der ganze Körper wird aus einer Mischung von Tierfett oder Kakaobutter, vermischt mit gemahlenem Ockergestein eingerieben. Die Körperbemalung dient sowohl dem Schutz vor der Sonne, als auch als ein probates Mittel gegen Mücken.

Von Kamanjab nehmen wir die C 35 südwärts über Fransfontein nach Khorixas. Nach einigen Km geht es links ab Richtung Omatjette.

Erindi Onganga, eine Farm im Wandel

Jetzt sind wir schon fast zu Hause. Schnell sind unsere Reiseutensilien verstaut und wir freuen uns auf eine gute Tasse Kaffee.

Wenn man glaubt, jetzt hätte man ein wenig Ruhe, denkste. Der Vorarbeiter hat von einigen Problemen zu berichten, die geregelt werden müssen. Ohne schlechtes Gewissen ziehe ich mir die Badehose an und gehe eine Runde im Pool schwimmen und lasse mir einen frischen Orangensaft schmecken. Wenn es auch im Norden von Namibia geregnet hat, hier auf der Farm hat die
Regenzeit  noch nicht begonnen. Für mich ist die Regenzeit die schönste Zeit in Namibia. Wenn alles in Supergeschwindigkeit grün wird, wenn überall Jungtiere geboren werden, einfach eine schöne Zeit.

Die sieben dürren Jahre gibt es in Namibia öfters

Der größte Teil Namibias liegt im Sommerregengebiet. Das bedeutet, dass es zwar unregelmäßig aber durchaus recht heftig regnen kann. Hier liegt die Regenzeit zwischen November und April, wobei sich in den letzten Jahren die Regenzeit immer mehr verkürzt hat.

Der äußerste Süden liegt im Winterregengebiet in dem es, wenn überhaupt, in den Monaten Juni und Juli regnen kann. Selbst wenn man die Unterschiede der Niederschläge hinsichtlich der Häufigkeit und der Ergiebigkeit berücksichtigt, nehmen diese, vom Süden ausgehend mit weniger als 50 mm pro Jahr in Richtung Nordosten mit bis zu 600 mm pro Jahr deutlich zu. Das schließt allerdings nicht aus, dass es regional Trockenperioden von mehreren Jahren geben kann.

Das ganze Land ist von der Regenzeit abhängig

Die Farm meines Bruders liegt im mittleren Niederschlagsbereich. 300 mm Regen in der Saison sind recht gut. Es hat aber auch schon Jahre gegeben, in denen es überhaupt nicht oder nur wenige Millimeter geregnet hat. Diese Zeit ist für den Farmer, das Vieh und das Wild besonders schwer.

Erindi, Simmentaler Bulle 870x450

Ohne Regen wird in ganz Namibia das Vieh Notverkauft, das heißt, großes Angebot, niedrigste Preise. Wenn es dann nächstes oder übernächstes Jahr wieder regnet, kauft ganz Namibia „Absetzer“. (Jungtiere, die der Mutter gerade entwöhnt sind) Große Nachfrage, der Preis enorm hoch, ein Gewinn also frühestens nach drei Jahren möglich, wenn die Tiere gutes Gras hatten. Wenn nicht, geht das Ganze wieder von vorne los. Ein guter Zuchtbulle kostet ein Vermögen. Wenn dem etwas passiert, ist man am Rande der Pleite. Ich erinnere mich, dass einmal bei meinem Bruder auf der Nordenfarm ein solcher Bulle von einer Schlange gebissen wurde. Ist gerade noch einmal gut gegangen, weil man ihn zufällig gesehen hat.

In Namibia braucht man einen langen Atem

Für mich wäre das kein Job, alle paar Jahre wieder komplett von vorne anfangen zu müssen. Zum Glück sind die Banken dort beweglicher, als bei uns. In Trockenzeiten bekommt man Kredite zwar zu recht hohen Zinsen, die aber erst dann zurückgezahlt werden müssen, wenn es geregnet hat. Trotzdem müssen immer mehr Farmer aufgeben.

Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

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