Kimberley, Südafrikas Schatzkammer

Kimberley, die Diamanten Hauptstadt

Wenn man Besonderheiten im Südafrikanischen Binnenland entdecken will, darf ein Besuch in Kimberley nicht fehlen. Kimberley liegt rund 500 Km südwestlich von Johannesburg, oder von Kapstadt kommend entlang der Garden Route bis Port Elisabeth, liegt Kimberley genau nördlich davon.

Kimberley ist die Hauptstadt der Provinz North Cape und ist die mit Abstand größte Stadt der Region. Kimberley gilt als die Diamantenhauptstadt, seit im Jahre 1866 ein Bauernjunge auf dem Feld in der Nähe des vielsagenden Dorfs Hopetown, einen schönen großen glitzernden Stein gefunden hatte. Der clevere Bauer Schalk van Niekerk erwarb den „Kiesel“ für wenige Cent. Der Diamant von über 20 Karat wurde später „Eureka“ genannt und ist heute in einem Safe des Parlamentsgebäudes der Stadt Kapstadt hinterlegt.

Diamant Eureka 870x450

Schon wenige Jahre später kaufte der listige Bauer einen viermal so großen Diamanten. Zwar musste er dieses Mal seine Farm veräußern, aber das Geld war mehr als gut angelegt. Wunderbar geschliffen wurde der millionenschwere Stein bekannt als „Stern Südafrikas“.
Danach war es mit der Ruhe vorbei und schon wenige Jahre später war das südafrikanische Kimberley die Welthauptstadt der Diamanten, nachdem man nahe der heutigen Stadt weitere Diamanten entdeckte.

Die Diamanten wurden von hunderten Diamantensuchern in einzelnen Claims im Tagebau abgebaut und in nur wenigen Monaten wuchs die Stadt auf über 30.000 Einwohner. Der Reichtum der Stadt sorgte bald dafür, dass die erste elektrische Straßenbeleuchtung und die erste Börse Südafrikas gegründet wurde.

Je tiefer, umso gefährlicher.

Schon bald machten sich erste Schwierigkeiten bemerkbar. Je tiefer der Tagebau vorangetrieben wurde, umso teurer und vor allem gefährlicher wurde das Schürfen. Hinzu kam, dass es zu einer Finanzkrise und zu einem Preisverfall von Diamanten kam. Hunderte der Glücksritter verließen die Grabungsstätten und versuchten ihr Glück woanders. Nur wenige glaubten daran, dass in tieferen Schichten noch Diamanten gefunden würden.

The Big Hole 870x450

Cecil Rhodes, der spätere Gründer von Rhodesien, dem heutigen Simbabwe, der sich seit Jahren mit dem Handel von Diamanten beschäftigt hatte, kaufte die nun wenig ertragreiche Mine auf und gründete die Firma De Beers, die er nach dem ersten Eigentümer der Farm benannte.

De Beers kontrolliert den Diamanten Weltmarkt noch heute

Nachdem er dann noch seinen größten Konkurrenten Barnato aufgekauft hatte, wurde der Abbau der Diamanten im Untertagebau fortgesetzt.

Sein guter Riecher, viel Geld und Mut, machten De Beers zum größten Diamantenproduzenten der Welt, immerhin hatte er im Jahr 1880 fast 6 Millionen Pfund investiert, und das in einer Zeit, wo Geld noch sehr viel mehr Wert war, als heute. Er hatte auch früh erkannt, dass um die funkelnden Steine eine Legende gewoben werden muss, um sie möglichst teuer verkaufen zu können. Auch künstliche Verknappung gehörte zu seinen Verkaufspraktiken, und das mit Erfolg, bis heute.

Heute verkauft De Beers nur noch Diamanten aus eigenen Minen in Südafrika, Botswana und Namibia. Die nach wie vor bekannteste Mine ist das Big Hole in Kimberley.

Ein beeindruckender Besuch in Kimberley

Ein Zwischenstopp in Kimberley ist absolut lohnend. Viele der historischen Gebäude, einige der Minen und natürlich Big Hole, das angeblich größte von Menschenhand geschaffene Loch, sind mehr als beeindruckend.

Das Loch hat eine Fläche von 17 ha., einen Umfang von 1,6 km und einen Durchmesser von 460 m. Von 1871 bis zur Einstellung des Abbaus 1914 wurden 22,5 Millionen Tonnen Gestein ausgehoben, und das alles mit Hacke und Schaufel. Die in gleichem Zeitraum zutage gebrachte Menge an Diamanten betrug 2.722 kg bzw. 14,5 Millionen Karat. Absolut beeindruckende Zahlen.

Das insgesamt noch 240 Meter tiefe Loch ist zum Teil mit Grundwasser gefüllt und der Wasserspiegel liegt in „nur“ 175 Meter Tiefe.

Anblick des Big Hole ist atemberaubend

Insgesamt wurde untertags der Abbau bis in die Tiefe von 1.100 Metern vorangetrieben.
The Big Hole liegt mitten in der Stadt und ist einerseits wegen der riesigen Dimensionen und andererseits wegen des Bergbau- und Freiluftmuseums am Rande des Big Hole sehenswert. Außerdem verkehrt zwischen der Stadthalle und dem Museum der Nachbau einer historischen Straßenbahn. Das Museum ist kein Museum im eigentlichen Sinne, sondern ist eine kleine Stadt aus der Zeit des Diamantenfiebers mit Originalbauten. Besucher können auch heute noch eine Lizenz für das Schürfen in der alten Mine erwerben. Große Funde sind allerdings nicht zu erwarten. Es macht aber viel Spaß, und wer weiß?

Kimberley mit Hole 870x450

Ob Big Hole nun das Größte Loch ist, oder Bloemfontein ein paar Meter breiter oder tiefen ist, spielt eigentlich keine Rolle. Das „große Loch“ ist einfach unglaublich. Kein Foto oder Bericht kann auch nur annähernd die Dimensionen beschreiben, die das ehemalige Abbaugebiet einnimmt. Die Farbe des Wassers auf dem Grund des Loches wechselt je nach Tageslicht zwischen verschiedenen Blautönen und Türkis.

The Big Hole ist circa so groß wie 24 Fußballfelder. Daher wundert es kaum, dass es mittlerweile zu den spektakulärsten Ausflugszielen Südafrikas gehört. Jedes Jahr zieht es Tausende Menschen hierher, die einen Blick in den Abgrund riskieren wollen.

Opportunisten gibt es auch in Afrika

Wenn man auf die Karte schaut, findet man Kimberley im Nordosten der großen Kap-Provinz, nur wenige Kilometer vom Oranje-Freistaat entfernt. Das hat durchaus seinen Grund. Als die Regierung in Kapstadt von den erheblichen Diamantenfunden erfuhr, wurde schnell der Grenzverlauf korrigiert, um so den unerwarteten Reichtum für sich beanspruchen zu können.

„Honni soit qui mal y pense“

Das war die Inschrift auf dem englischen Hosenbandorden, der als bedeutendster Orden des englischen Königshauses galt. Er bedeutet auf Deutsch in etwa: „Ein Schelm oder Schuft, wer Böses dabei denkt.“

 

Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

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