Leben und arbeiten auf einer Gästefarm in Namibia

Die Gästefarm meines Bruders

Erindi Onganga, was soviel wie „Perlhuhn-Fleet“ heißt, ist für mich die schönste Gästefarm in Namibia. Klar, ich bin voreingenommen. Trotzdem. Die Farm hat topographisch einiges zu bieten. Herrliche Hügel mit weiten Ausblicken, dichtes Buschland, weite Ebenen mit freiem Blick auf die vielen Tiere, und Trockenflüsse, die in der Regenzeit heftig laufen können.

Mächtige „Ahnenbäume“ mit eisenhartem Holz bei den Revieren, gepflegte Tränken für Wildtiere und Rinder, und schöne Gästezimmer. In Namibia gibt es Gästefarmen oder Jagdfarmen. Das heißt nicht, dass eine Jagdfarm nicht auch als Gästefarm für Besucher da sein kann.

Das Gebiet nördlich und östlich von Omaruru ist Farmgelände. Die meisten Farmen gehören Farmern Deutscher Abstammung, und das in der dritten und vierten Generation. Anders als im Norden, ist hier die Niederschlagsmenge so gering, dass ein Getreideanbau nicht möglich ist. Hier wird vorwiegend Rinder- und Schafzucht betrieben. Kleinere Farmen haben 5.000 Hektar Weideland, größere 40.000 und mehr. Für uns Mitteleuropäer kaum vorstellbar.

Zehn Hektar für ein Rind

Hier ist das Gras so wenig gehaltvoll, dass der Farmer ca. 10 Hektar für ein Rind benötigt, um es satt zu bekommen. Im Süden werden bis zu 20 Hektar pro Rind gebraucht. Entsprechend größer müssen dort die Farmen sein.

Erindi, Gutes Gras nach gutem Regen

Der große Vorteil ist, dass das Rindfleisch von außerordentlich hoher Qualität ist. Die Rinder müssen die ganze Zeit „unterwegs“ sein, um satt zu werden. Das sorgt aber auch für ein erstklassiges festes Muskelfleisch, das hervorragend schmeckt.

Das Wetter und der Regen sind nicht planbar, das heißt, dass die Farmer ihre Farmen gerne als Gästefarmen betreiben und Zimmer vermieten. Da es kaum Möglichkeiten gibt, sich selber zu versorgen, werden die Gästefarmen in Vollpension betrieben. Mit einer Gästefarm kann man ein paar zusätzliche Einnahmen generieren.

Gästefarmen bieten auch immer Familienanschluss

Mit großem Hallo werde ich begrüßt und ich werde gleich zu Kaffee und Kuchen gebeten. Auf der Terrasse sitzt man wunderschön, ohne der Gluthitze ausgesetzt zu sein. Da fällt mir ein blöder Witz ein. „Mensch, ist das glutheiß heute. Wir haben 40 Grad im Schatten.“ Sagt der andere „Du bist ja auch blöd. Warum gehst Du in den Schatten, wenn es da so heiß Ist?“ Sorry, aber das sind „Südwester“ Witze.

Vor dem Abendessen lädt mich mein Bruder noch ein, ihn auf die Jagd zu begleiten. Er muss dringend etwas schießen, denn die schwarzen Farmhelfer haben schon ein paar Tage kein Fleisch mehr bekommen, das ihnen aber in wöchentlichen Rationen zusteht. In den letzten Tagen hatte er kein Jagdglück und hofft, dass das heute mit mir besser wird. Ich selber bin ein recht guter Schütze, jage aber nicht. Ich jage mit der Kamera, was ganz schön viel Erfahrung beim Pirschen erfordert, wenn man nah genug ran kommen will. Fachleute unter Ihnen wissen, je mehr Zoom ich verwende, umso mehr verwackele ich die Aufnahmen.

Die Jagd ist notwendig

Was soll ich sagen, mit dem letzten Büchsenlicht erwischen wir einen Gemsbock und einen Kudu. Die Farmhelfer, die mitgefahren sind, sind ganz ausgelassen vor lauter Freude, gibt es nun doch endlich wieder Fleisch. Eine regelmäßige Versorgung mit frischem Fleisch ist wichtig, sonst hat man doch keine Möglichkeit, das Fleisch frisch zu halten. Das Fleisch-Deputat wird in der Regel gleich gegessen, da es keine Aufbewahrungsmöglichkeiten wie zum Beispiel einen Kühlschrank  gibt. Die Familien, die jeweils dahinter stehen, sind recht groß. Wenn genug Fleische da ist, wird es alternativ zu Biltong getrocknet. Biltong wird in Namibia unterschiedlich stark geräuchert angeboten und schmeckt recht gut. Gute Zähne sind allerdings von Vorteil!

Erindi Jagd 870x450

Mein Bruder meint, die Zäune müssen repariert, und neue „Dropper“ eingesetzt werden. Jetzt wo ich da sei, könne ich ein wenig helfen. Wild und Termiten machen es immer wieder nötig, die Zäune zu reparieren. Dropper sind Holzstangen, die zwischen den Spanndrähten verdrahtet werden, ohne dass das Holz den Boden berührt. Das gibt Festigkeit und Termiten können dem Holz nichts anhaben, da sie das Sonnenlicht meiden.

Eine Oase in der Wildnis

Ein Kudu oder ein Springbock setzen elegant über die Zäune weg. Warzenschweine graben Löcher, damit sie unten durch können, oder rennen einfach geradeaus gegen den Zaun. Ich gebe zu, ich bin nicht gerade begeistert. Bei den Temperaturen stundenlang an den Zäunen zu arbeiten, gehört nicht zu meinen Highlights, aber man ist ja nicht so!

Erindi Kudu870x450

Bei einem kühlen „Lager-Bier“ lassen wir den Abend ausklingen. Immer wieder bin ich von dem unglaublichen Sternenhimmel begeistert. Sterne wie Fünfmarkstücke machen es durchaus möglich, Zeitung zu lesen. Eine große Rolle spielt dabei, dass es in Namibia so trocken ist, es durchschnittlich 1.700 Meter über NN hoch ist und es keine anderen Lichtquellen in einer Umgebung von vielen Km gibt.

Mein Appartement ist gerichtet und ich ziehe mich zurück, bin ich doch recht müde, denn morgen haben wir einiges vor.

Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

2 Kommentare

  1. kosch michel   •  

    hallo ich mache es mal ganz kurz,ich war schon zwei mal in namibia und würde gern für einige zeit dort arbeiten und mal sehen vielleicht auch bleiben,könnten sie da tips geben wie man das am besten anstellt

    • Hans-Jürgen Röttger   •     Author

      Hallo Michel,

      das ist eine ganz schwierige Frage, die nicht so einfach zu beantworten ist. Die Namibische Behörde ändert die Einwanderungsgesetze wie es gerade passt.

      Ich würde an Deiner Stelle erst einmal Kontakt mit Deutschen, die im Land leben, aufnehmen und mich orientieren. Die wissen in der Regel genau, was möglich ist, und was nicht.

      Hier ein Link eines Artikels, den ich schon vor einiger Zeit geschrieben habe.
      http://afrikaspezialist.com/auswandern-nach-namibia-warum-nicht/

      Ich hoffe, dass hilft Dir ein wenig weiter.
      Wenn Du noch Fragen hast, melde Dich gerne. Kann etwas dauern, bis ich antworte, denn ich bin dauernd unterwegs.

      Viele Grüße und viel Glück
      Hans-Jürgen Röttger

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