Namibia Reisen: Lüderitz

Eine Stadt auf Granitfelsen gebaut

Von Kolmanskop sind es nur noch wenige Kilometer auf der B4 nach Lüderitz. Schon von weitem kann man das Sturm gepeitschte Meer bewundern. Ich bin gespannt, was uns in dem nächste Ort den wir besuchen erwartet, waren die Diamanten doch eine Quelle der ständigen Kriege und Gewalttaten der Menschheit, die so oft ja auch nur aus Gier geführt werden.

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Die Diamantenstadt Lüderitz liegt direkt am Atlantik und ist eine der rauesten Orte Namibias. Sandstürme und Atlantikwinde sind hier für das extreme Klima verantwortlich, ausnahmsweise einmal nicht die Menschen.
Die Geschichte der Entdeckung und des Ortsnamens ist übrigens auch eine deutsche Geschichte: Nachdem Diaz die kleine Bucht schon entdeckt hatte, konnte der Kaufmann Adolf Lüderitz den Reichskanzler Otto von Bismarck dazu bewegen, hier ein Schutzgebiet zu proklamieren. Nach dem Tod von Lüderitz bekam der Ort den Namen des Mannes, der bei einer Erkundungstour an den Oranje 1886 verschwunden, und als tot erklärt worden war.

Diamanten haben Lüderitz Aufschwung verschafft.

Als man 1908 beim Bau einer Schmalspurbahn in der Wüste Diamanten entdeckt hatte, wurde Lüderitz zur umtriebigen und schnell wachsenden Bergbaustadt. Die durch den Diamantenabbau ins Land strömenden Glücksritter und der Bau der Diamantensiedlung Kolmanskop brachte auch für Lüderitz einen steilen Aufstieg zu einer ausgesprochen wohlhabenden Stadt. Das Stadtgebiet lag zwar innerhalb des Diamanten Sperrgebiets, aber die Stadt selber war nicht gesperrt.

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In der Folgezeit entwickelte sich Lüderitz zu einem sehr erfolgreichen Handelshafen, dessen Bedeutung aber bald dem zentraler gelegenen Hafen Swakopmund weichen musste.
Neben den Diamantenfunden gibt es in Lüderitz auch heute noch eine recht geschäftige Fischerei- Industrie. Natürlich, die vielen Diamant-Schürfer wollten ja auch essen. In der Hauptsache werden auch heute noch Sardinen und Langusten gefangen. Dem schließen wir uns an und bekommen Fisch, den wir nur selten je so gut zubereitet gegessen haben.

Bester Fisch, Langusten und Austern in Lüderitz

Nun ist Lüderitz nicht gerade ein idealer Ort für Badeurlauber. Das Klima hier ist doch wesentlich durch den direkt an der Küste verlaufenden Benguelastrom geprägt, der lediglich eine Wassertemperatur von 10 bis 15° C. zulässt. Der Benguela führt aber eine Menge Plankton mit sich und sorgt so für enormen Fischreichtum bis in Ufernähe. Das Meer ist außerordentlich sauber und es werden große Mengen Austern gezüchtet, die reißenden Absatz in der ganzen Welt finden. Ausgiebiger und sehr lukrativer Langustenfang musste wegen Überfischung leider deutlich reduziert werden.

Lüderitz, die Gründerstadt Namibias

Durch den Temperaturunterschied der heißen Wüste und dem kalten Wasser kommt es zu ablandigen Windströmen. Das ist auch der Grund, warum in Lüderitz, wie auch in weiten Teilen Namibias, arides Klima vorherrscht. Es gibt kaum Niederschlag und die Tagestemperaturen liegen im Schnitt bei unter 20° C.

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war stets ein etwas verschlafener und beinahe skurriler Ort, der aber gerade daher seinen Reiz bezog. Die Gründerstadt Namibias, sie zählt heute ca. 20.000 Einwohner, wurde einst auf den nackten Granitfelsen gebaut und ist den oft stürmischen Atlantikwinden ausgeliefert wie kein anderer Ort in Namibia. Auch See Nebel und gelegentliche Sandstürme tragen zum rauen Klima in Lüderitz bei.

Wenn auch Lüderitz für badelustige Touristen nicht gerade einladend wirkt, kann der Ort mit zahlreichen anderen Attraktionen aufwarten. Ein Museum informiert anschaulich über die Geschichte und den Diamantenabbau der Stadt. Das Denkmal von Adolf Lüderitz auf der Haifisch Insel und der Hafen selber, in und um den stets ein geschäftiges Treiben herrscht, sind einen Besuch wert. Auch gibt es eine Waterfront, ähnlich wie in Kapstadt, mit Cafés, Restaurants, Souvenirläden und Boutiken an der sich ein Aufenthalt durchaus lohnt.

Link: Wikipedia Lüderitzbucht

Schönheiten den Wüste

In der umliegenden Wüstenlandschaft soll man neben außergewöhnlich schönen Schmucksteinen auch eine Vielfalt an Sukkulenten finden. Diese zum Teil wunderschönen Wasser speichernden Pflanzen sind uns immer wieder in Namibia begegnet. Am Agate Beach nur wenige Kilometer von der Stadt entfernt, kann man wunderbare Strandspaziergänge machen und mit etwas Glück findet man auch noch Achatsplitter als ein willkommenes Mitbringsel.

Wir beschließen aber, dass wir auch ohne Schmucksteine schön genug sind und heute auch keine blühenden Kakteen und andere Pflanzen bewundern wollen, und begeben uns deshalb lieber in den Norden der Stadt, wo der Achat Strand liegt. Hier gibt es wunderschöne, unterschiedlich große „Sandrosen“. Nicht so viel wert wie möglicherweise die Schmucksteine aus der Wüste, oder eine seltene Kakteenart, aber leichter zu finden, wenn man denn die Stellen kennt, und auch recht schön. Sie bestehen aus einem kristallisiertem Sand-Gips Gemisch.

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Sind diese Sandrosen nicht wunderschön

Man darf sie allerdings nun nicht mehr einfach mitnehmen, man muss sie in der Stadt kaufen, wenn man ein solches Mitbringsel möchte. Leider haben unvernünftige Reisende früher alles in großen Mengen „ausgebuddelt“, was einer Sandrose ähnlich sah. Wenn man bedenkt, dass Jahre und Jahrzehnte nötig sind, bis ein solches Wunder der Natur entsteht, ist zu verstehen, dass man diese Raritäten vor der Sammelwut Einiger schützen möchte.

Wir haben uns in einem der Hotels der Stadt einquartiert. Hier gibt es neben den wirklich sehr guten Hotels auch hervorragende Gasthäuser in allen Preislagen. In den exzellenten Restaurants der Stadt kann man für einen Spottpreis hervorragende Meeresfrüchte genießen, was wir gerne wahrnehmen. So frisch bekommen wir den in Deutschland sicher nicht.
Auch diesmal ist früh Zapfenstreich, morgen liegen wieder einige Kilometer vor uns. Unser gemieteter Geländewagen hat sich seit seinem letzten Launen Anfall nicht mehr ungehörig bemerkbar gemacht. Das Frühstück am nächsten Morgen gibt uns Auftrieb und mit neuem Tatendrang machen wir uns auf die Strecke.

In diesem Beitrag enthaltene Links:
Link: Wikipedia Lüderitz
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Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

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