Gästefarmen, permanenter Kampf ums Überleben

Gästefarmen bieten beste Unterkünfte

Wenn man einen Urlaub in Namibia geplant hat, egal ob in luxuriösen Lodges oder im Dachzelt auf Allradfahrzeugen, sollte man sich ein paar Tage auf einer der namibischen Gästefarmen nicht entgehen lassen. Da bietet sich die perfekte Gelegenheit, Land und Leute hautnah kennen zu lernen. Ganz abgesehen davon, dass sich die Farmer durch den Tourismus ein paar namibische Dollar dazu verdienen, wird doch den Gästen eine Menge geboten.

Köstlichkeiten mitten im Busch

Neben der persönlichen Betreuung bekommt er frische Farmprodukte, allen voran Lamm- und Wildspezialitäten wie Kudu, Oryx, auch Gemsbock genannt, und Springbock. Meist gibt es Hausmannskost mit frischen Kräutern aus dem eigenen Garten und frisch gepressten Orangen- oder Grapefruit-Saft. Die Früchte werden direkt von den eigenen Bäumen gepflückt.

Selbstgebackenes Brot mit selber gemachter Butter, einfach köstlich, ein Gedicht. Alleine die verschiedenen selber gemachten Marmeladen sind eine Wucht. Jede Farm hat da andere Schwerpunkte wie Maulbeeren, Kaktusfeigen rot oder grün, Granatapfel und diverse Zitrusfrüchte. Manche Farmen haben auch noch Weintrauben oder Papaya. Auf einer Gästefarm bekommt man immer etwas geboten.

Abenteuerliche Fahrt durch den Busch

Auf der Gästefarm Erindi z.B. kann man mit dem Allrad auf 4-Rad-Pad gehen, was wirklich eine abenteuerliche Fahrt verspricht. Durch Trockenflüsse, über Granitfelsen mit losen Granitplatten, die sich ablösen, durch dichten Busch zu tollen Aussichtspunkten, wirklich ein Abenteuer.

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Es gibt geschützte Unterstände für Wild- und Vogel Beobachtungen, die bei den vielen Tierarten einen tollen Ausblick bieten. Auf manchen Farmen kann man mit auf die Jagd fahren. Ich erinnere mich an eine junge Frau, die immer niesen musste, wenn man zum Schuss kommen wollte. Da war es besser, die Jagd zu verschieben. Sehr beliebt ist es vor allem bei Kindern, mit dem Eselkarren (Donkey) über die Farm zu fahren.

Gruselgeschichten oder Erinnerungen?

Die Gastgeber haben viel zu erzählen. Die einsame Lebensweise hinterlässt so ihre Spuren. Die Farmer sind einsame Herrscher über ein großes Stück Land, die nächsten Nachbarn sind weit und man braucht kaum Zugeständnisse zu machen. Die spannenden Geschichte sind größten Teils wahre Begebenheiten. Die Erlebnisse, wie Viehdiebe quer durch das ganze Land verfolgt worden sind, oder wie „Löwen Böhme“ nur sein Leben retten konnte, weil er seinen Arm tief in den Rachen des Löwen gerammt hatte, (Der Arm war allerdings nicht zu retten) Ein Nachbar meines Bruders wird nur „der weiße Buschmann“ genannt. Hat er doch eine gestohlene Herde durch ganz Namibia bis Angola verfolgt und zurückgebracht. Mit über 80 Jahren wirkt er frisch und munter. Da könnte ich tagelang zuhören, was der alles erlebt hat. All diese Geschichten sind tatsächlich passiert, und auf allen Farmen werden sie erzählt. Man darf nur nicht vergessen, dass sich die erzählten Abenteuer im Laufe von dreißig oder vierzig Jahren zugetragen haben, sonst wird einem angst und bange.

Langweilig wird es nie.

So eine Farm macht eine Menge an Arbeit. Die Windmotoren, die aus der Tiefe von bis zu 70 Metern das Wasser pumpen, brauchen immer wieder Pflege, weil selbst in dieser Tiefe feine Wurzeln das Ansaugrohr verstopfen. Das Wasser ist von hoher Qualität und kann bedenkenlos getrunken werden. Ich halte mich immer gerne auf den Gästefarmen auf.

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Ein Farmer in Namibia muss so ziemlich alles können.

Kraftfahrzeugmechaniker, Klempner, Elektriker, Schweißer, Maurer, Tischler, Metzger und Bäcker. Klar, dass er einiges besser kann, anderes weniger gut. Wenn es mal ganz schlimm wird, helfen die Nachbarn gerne. Nicht zu vergessen sind natürlich die Fähigkeiten der Agrar- und Viehwirtschaft. Von Veterinärmedizin sollte man auch noch etwas verstehen, denn der nächste Tierarzt ist weit. Dann gibt es noch einige Arbeiten, die man nicht so gerne macht. Buchhaltung und Rechnungswesen gehören dazu, sind aber notwendig. Nebenbei sollte man noch zur Jagd, denn die Farmarbeiter haben ein Recht auf Fleisch, das sie wöchentlich bekommen sollten. Wenn dann ein Kudu oder Gemsbock geschossen wurde, ist die Freude unter den Farmhelfern groß. Innereien wie Leber und Herz werden von den Jagdhelfern der Gästefarmen gerne sofort und roh gegessen.

Wasser ist Leben

Tägliche Kontrollfahrten über die Farm sind obligatorisch. Schafe oder Ziegen müssen auf eine neue Weidefläche getrieben werden. Die Wasserstellen sollten regelmäßig kontrolliert werden, denn ohne Wasser ist ein Überleben, auch für nur kurze Zeit, nicht möglich. Leider gibt es auch immer wieder Diebstähle, die, wenn möglich, verfolgt werden, oder der Polizei gemeldet werden müssen. Auf Erindi gibt es perfekte Spurenleser als Wachpersonal, da ist dann die Wahrscheinlichkeit größer, dass ein Dieb geschnappt wird. Wenn ein ganzer Dieselmotor, der für die Tiere Wasser pumpt, verschwindet, ist der Schaden beträchtlich. In diesem Fall wurde die Pumpe wiedergefunden.

Fleisch ist mein Gemüse

Lieblingsbeschäftigung der Namibier ist das Grillen, das sogenannte „Braai“, von Afrikaans braten. Ein Grillplatz gehört zum Standart eines jeden Rastplatz. Holz kann man überall kaufen. Besonders gut brennt Kameldornholz. Bloß um Gottes Willen kein Holz von Bäumen oder Büschen abbrechen oder auch sammeln, es sei denn auf der Farm. Jeder der grillt, hat sein eigenes besonderes Rezept für die Marinade, das ein eifersüchtig gehütetes Geheimnis bleibt. Alle schmecken etwas anders, aber alle sind hervorragend. Ich habe hie und da ein Rezept bekommen, bin ich doch im fernen Deutschland keine Konkurrenz. Fleisch kommt mindestens zwei Mal am Tag auf den Tisch. Ohne ein deftiges Stück Fleisch, ist es kein richtiges Mittag- oder Abendessen.
Allein wegen der Gästefarmen würde sich schon eine Reise nach Namibia lohnen.

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Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

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