Namibias Küche. Was isst man denn so in Namibia?

Namibias Küche. Gibt es die überhaupt?

Namibias Küche gibt es genau genommen gar nicht, und trotzdem ist sie zu einem festen Begriff im südlichen Afrika, speziell natürlich in Namibia geworden.
Im Wesentlichen basiert Namibias Küche auf Einflüsse diverser Ethnien und der südafrikanischen und nicht zuletzt der deutschen Küche.

Es gibt grundsätzlich verschiedene Einflussgruppen, in die man Namibias Küche einteilen kann. In mehreren Jahrzehnten hat sich eine Küche etabliert, in der sich die Zutaten der verschiedenen Ethnien vermischt haben.

Die traditionelle Küche

Die traditionelle Küche Namibias wird vorwiegend von den unterschiedlichsten Stämmen bevorzugt, wobei die Möglichkeiten eines Wüstenlandes durchaus berücksichtigt werden.
Ovambos, San, Nama, Damara und Hereros nutzen seit je her Maismehl als Grundnahrungsmittel, bekannt als Pap oder Milipapp ( Mielie-Pap) ähnlich unserer Polenta.

Weiter wurden vorkommende Früchte, wie z.B. die Nara-Frucht verwendet. Die Nara gehört zu den Kürbisgewächsen und ist auch unter den Tieren der Namib sehr beliebt, enthalten sie doch sehr viel Wasser. Das Vorkommen ist allerdings auf einen ca. 60 Km breiten Streifen entlang des Oranje, dem Grenzfluss nach Südafrika und dem Kunene im Norden, und hier auch nur am Ufer der Reviere beschränkt. Getreide und Wurzeln zählen ebenfalls zu den „Lebensmitteln“ die von den Naturvölkern für ihre tägliche Nahrung verwendet werden.

Ein ganz erheblicher Teil der Nahrung besteht natürlich aus Wildfleisch und seit hunderten von Jahren auch von Rindfleisch, das schon sehr früh gezüchtet wurde.

Potjes in Namibia 870x450

Sehr beliebt und verbreitet ist „Potjiekos“, eine Art Eintopf mit Fleisch und Gemüse, der in einem gusseisernen Topf, der frei über offener Flamme hängt oder steht, zubereitet wird. Viele Lodges in Namibia servieren diese wohlschmeckende Gerichte.

Die etablierte, importierte Küche

Die eingeführte Küche wird stark von den Einflüssen der Deutschen Kolonialherrschaft geprägt. Die Zeit der Schutztruppen in Deutsch-Südwestafrika Anfang des Zwanzigsten Jahrhundert brachte Zutaten, die zum Teil von Deutschland eingeführt wurden.
Auch heute noch gibt es Lokalitäten, in denen Braten Kohl- und Wurstgerichte angeboten werden. Natürlich gibt es auch hier eine Vielzahl an Wildgerichten, Rindfleisch von geradezu herausragender Qualität, und Lammfleisch.

Da die Rinderherden Namibias nur von Savannen-Gras leben, ist Rindfleisch aus Namibia vollkommen frei von Antibiotika und Hormonen. Jedes Rind braucht mehr als 15 ha, um satt zu werden. Das gibt also prima Muskelfleisch ohne Fett. Auch das namibianische Lammfleisch ist hervorragend.

Südafrikanische Küche

Vor allem die Küche der Afrikaaner oder der Buren unterscheidet sich deutlich von der anderer Strömungen in Namibia. Hier ist die südafrikanische Küche von den Malaien beeinflusst. Sehr verbreitet sind Biltong eine Art getrocknetes Fleisch, die gewöhnungsbedürftige Boerewors, eine Bauernwurst, die außerordentlich fett ist, und Rauchfleisch, stark geräuchertes Fleisch verschiedener Wildarten. Kräuter und Gewürze werden sehr großzügig verwendet.

Die bei und immer beliebteren indischen Gewürze wie Koriander, Kardamom, Nelken oder Ingwer spielen mehr in Südafrika eine Rolle, nicht so sehr in Namibia.

Fleisch ist mein Gemüse 870x450

Alle Richtungen haben eins gemeinsam, Fleisch ist das dominierende Lebensmittel, und das in großen Mengen. In Namibia herrscht allgemein die Meinung: „Fleisch ist mein Gemüse!“
Neben Rind und Lammfleisch sind vor allem das Fleisch der Antilopen sehr begehrt. Sehr verbreitet sind auch das Fleisch von Zebra, Strauß und selbst von Krokodilen.

Braai ist sehr verbreitet.

In Namibia ist „Braai“ braten oder grillen eines der beliebtesten Beschäftigungen. Es gibt kein Haus, kein Campingplatz auf dem nicht mehrere Roste stehen, auf denen gegrillt werden kann. Selbst auf Park- und Rastplätzen der Straßen sind Bänke, Tische und ein Grillplatz vorhanden.

Braai im Revier 870x450

Wenn man ein wenig Kontakt zu Einheimischen hergestellt hat, und das geht schnell, wird man zum Braai eingeladen. Jeder hat seine eigenen Rezepte und Soßen und zubereitungsweise. Man kann gar nicht sagen, was einem besser schmeckt. Selbst bei Nacht im Revier wird der Grill nach einer Nachtwanderung angeworfen.

Namibias Küche wird natürlich auch durch die unterschiedliche Landschaft geprägt. Im Norden, besonders in der Region Caprivi, wo es regelmäßig regnet, lohnt sich der Anbau von Gemüse und Obst. In den großen Flüssen, die das ganze Jahr Wasser führen, spielt der Fang von Süßwasserfischen eine große Rolle.

An der Küste, bei Swakopmund oder Walvis Bay, gibt es ein großes Angebot von Seefisch, Schalen- und Krustentieren, nicht zuletzt wegen des kalten und fischreichen Benguela Strom.

In den Wüstengebieten ist das Angebot eher spärlich. Aber auch hier gibt es Wild, das gejagt werden kann.

Obst und Gemüse

Obst und Gemüse spielten in weiten Teilen des Landes keine Rolle. Früher war wegen der mangelnden Kühlmöglichkeit und der langen Transportwege ein Anbau von Obst oder Gemüse nicht gegeben. Auf den Farmen, wo Wasser mit Windmotoren aus großer Tiefe gefördert wird, kann durch regelmäßiges Bewässern Obst und Gemüse unterschiedlicher Sorten angebaut werden.

Kaktusfeigen 870x450

Die Kaktusfeigen auf dem Bild, schmecken herrlich, sind wegen der feinen Stachel aber schwer zu pflücken.

Auf der Farm meines Bruders wachsen zum Beispiel Orangen, Zitronen, Feigen, Papaya, Kaktusfeigen, Weintrauben, Granatäpfel und einiges mehr. Der Versuch, einen Apfelbaum zu pflanzen, ging gründlich schief. Trotz guter Pflege konnte man das Bäumchen im nächsten Jahr wie einen Pfosten aus dem Boden ziehen. Keine einzige Wurzel war von den Termiten übriggelassen worden. Weitere Versuche an anderen Stellen hatten auch keinen Erfolg. Äpfel und Birnen sind „exotische Früchte“.

Über das Land verteilt gibt es regionale Spezialitäten, die vorwiegend von der weißen Bevölkerung gegessen werden. Lokale Spezialitäten schließen den Swakopmunder Spargel, Lüderitz-Austern und Kalahari Trüffel oder die Omajowa-Pilze, die im Februar am Fuße von Termiten-Hügeln wachsen, ein. An der Atlantikküste gibt es frisch gefangene Hummer zu Preisen, zu denen wir in Deutschland nicht einmal Miesmuscheln bekommen.

Die Süßspeisen sind auf deutsche und südafrikanische Einflüsse zurückzuführen. Wer es mag, OK. Mir sind sie allesamt viel zu süß, zu schwer und zu deftig. In deutschen Bäckereien kann man Schwarzwälder Kirschtorte und Apfelstrudel in erstklassiger Qualität bekommen.

Bier nach Deutschem Reinheitsgebot ist der Hit

Bier in Namibia 870x450

Als Getränke bekommt man neben außerordentlich gutem Südafrikanischem Wein eine Fülle von nicht-alkoholischen Getränken. Frische Obstsäfte oder Tees, wie z.B. der Rooiboes Tee, sind nahezu überall zu bekommen.
Hervorragend sind diverse Biersorten, die nach deutschem Reinheitsgebot gebraut werden. Den Begriff „Reinheitsgebot“ kennt in Namibia jedes Kind.

Ganz besonders habe ich den „Rock Shandy“ geliebt. Vor allem in Südafrika und Namibia verbreitet, ist er das ideale Getränk ohne Alkohol in heißen Gegenden. Er erfrischt ungemein.

Ich bin nicht ganz sicher, ob mein Rezept stimmt, aber probieren Sie es aus, es wird Ihnen schmecken.

Rock Shandy 870x450

0,2 l Zitronenlimonade, 0,2 l Mineralwasser 2 cl Zitronensaft einer frischen Zitrone, 10 Tropfen Angostura Bitter.
Statt der Limonade sehen manche Rezepte Bitter Lemmon vor.

Die Zubereitung ist recht simpel.
Zitronensaft, Limo und Mineralwasser in einen Bierkrug füllen einige Eiswürfel hinzugeben, je nach Geschmack ca. 10 Tropfen Angostura in das Getränk träufeln und etwas umrühren.

Er trinkt sich allgemein wie eine Limo, ist aber wunderbar erfrischend. Wer die glühende Hitze und die staubige Luft dieser Länder kennt, versteht den Sinn des Rock Shandy. Er ist dort das „Lebenselixier“ der weißen Bevölkerung und der Touristen.

Fest steht jedenfalls, im südlichen Afrika kommt wirklich jeder auf seien Kosten.

Hier ein Video von Ralf Schmitz, dass ich euch nicht vorenthalten möchte:

In diesem Beitrag enthaltene Links:
https://youtu.be/RL5nNyRBilQ

Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

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