Omaruru. Finsterste Provinz oder nostalgische Idylle?

Omaruru ist eine beschauliche Kleinstadt

Bevor es weiter zur Etoscha Pfanne geht, möchte ich erst ein paar Tage Halt auf der Farm meines Bruders machen, die nördlich von Omaruru liegt.

Die Farm liegt etwa 70 Km nordwestlich von Omaruru. Hier mache ich erst einmal einen Stopp, um einzukaufen und Freunden Guten Tag zu sagen. Das „Guten Tag“ sagen, geht in Namibia nicht so schnell, wie in Deutschland.

Hier wird ausgiebig getratscht. Jeder will vom anderen wissen, was alles seit dem letzten Treffen vorgefallen ist und nach Politik, Wirtschaft und Reiseinfos die Hauptfrage in Namibia, wie viel Regen hat es gegeben.

Ich lästere immer. „In der Regenzeit gibt es die meisten Unfälle, weil die Einheimischen nach draußen rennen und die Urlauber nach drinnen“. Hier merkt man aber überall, welche zentrale Rolle die Niederschläge spielen.

Omaruru liegt im Kreis Erongo und hat ungefähr 6.000 Einwohner. Auch hier ist die Straßenbreite auffallend. Saubere Häuschen auf recht großen Grundstücken, umgeben von Bäumen, Hecken und blühenden Sträuchern machen einen gutbürgerlichen Eindruck.

Deutsche Geschäfte und Farmen in der dritten Generation

Recht viele Geschäfte und Einkaufsmöglichkeiten in Supermärkten sorgen dafür, dass die meisten Wünsche hier erfüllt werden können. Natürlich gibt es auch den unvermeidlichen „Drankwinkel“. Anders als bei uns, darf nicht jedes Geschäft oder jedes Lokal Alkohol verkaufen. Um Alkohol verkaufen zu können, braucht man eine Sondergenehmigung, die nur an spezielle “Fachgeschäfte” erteilt werden, also die Drankwinkel. Auch einige größere Hotels und, in kleinem Umfang, Supermärkte haben die Lizenz bekommen. Natürlich kostet diese Lizenz auch richtig viel Geld.

Omaruru scheint fest in deutscher Hand zu sein. Namen der Geschäftsinhaber, wie Tischlerei Buchmann, Hotel Stebe und, besonders herausstechend, “Mayers Dampfbäckerei”, wo man bis vor ein paar Jahren noch Streusselkuchen und frisch gebrühten Kaffee bekam, bestimmen den Eindruck.

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Leider gibt es die Bäckerei nicht mehr, aber es gibt andere Cafés bei denen man Deutschen Kaffee trinken kann und zwar ohne die bei den Schwarzen so beliebte Zichorie.

Das Gebiet nördlich und östlich von Omaruru ist Farmland. Auch die Farm meines Bruders, die inzwischen von seiner Tochter und deren Ehemann als Jagdfarm betrieben wird, gehört dazu.

Auf die Erziehung der Kinder hat man kaum noch Einfluss

Die Kinder der Farmer können seit ein paar Jahren in Omaruru in eine Deutsche Schule gehen, Bei der Einweihung war ich damals noch dabei, inzwischen kann man bis zur Oberstufe in Omaruru bleiben. Früher mussten sie nach Karibib oder gar Windhoek und kamen nur zwei oder drei Mal im Jahr nach Hause.

Schule ist für die Kinder der Farmer ein schwieriges Thema. Mit sechs Jahren kommt ein Kind von zu Hause weg und wird in eine entfernte Schule gesteckt. Wann immer möglich, kommen sie zum Wochenende oder gar nur in den Ferien nach Hause.

Ich bewundere die tapferen kleinen Mädchen und Jungen, die vom freien und ungezwungenen Leben auf einer Farm plötzlich in den geregelten Schulbetrieb befördert werden. Hier müssen feste Schuhe und Schulkleidung getragen werden, was sie so gar nicht gewöhnt sind. Für Kinder, die frei auf den Farmen herumtollen konnten, ein mächtiger Einschnitt. Man darf auch nicht außer Acht lassen, dass ein großer Teil der Erziehung und Entwicklung in die Hände von Lehrern gelegt werden muss, verbringen doch die Kinder die überwiegende Zeit außerhalb und fern des Elternhauses. Die gleichen Lehrer sind dann auch die Erzieher in den angeschlossenen Wohnheimen.

Omaruru River

Wenn es regnet, dann aber richtig

Der Fluss Omaruru ist normalerweise viele Jahre ohne einen Tropfen Wasser und dient als „Rennstrecke“ für 4×4 Fahrzeuge, oder ist für Lagerfeuer mit Trinkgelage beliebt. Auch wenn es Jahre gegeben hat, dass der Omaruru kein Wasser geführt hat, gibt es Regenzeiten, da verwandelt sich der Omaruru in einen reißenden Fluss. Gut, dass es eine Brücke gibt, die das ganze Flussbett überquert. Ohne diese Brücke wäre eine Weiterfahrt in diesen Zeiten nicht möglich. Den Atlantik erreichen die braunen Wassermassen allerdings nur alle Jahrzehnte einmal, muss doch die Namib durchquert werden. Ich habe das erlebt. Dazu aber später mehr.

Wenn man schon in der Stadt ist, sollte man auch gleich einkaufen und tanken. In Namibia sollte man immer tanken, wenn man eine Tankstelle sieht, auch wenn der Tank noch halb voll ist. Das Tankstellennetz ist, jedenfalls außerhalb von Ortschaften, praktisch nicht vorhanden und von Ort zu Ort liegen oft große Strecken.

Nun geht es endlich weiter auf die Farm. Von Omaruru zur Farm brauche ich eine knappe Stunde. Am späten Nachmittag ist es nicht mehr so heiß und ich komme noch vor dem Abendessen an.

Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

2 Kommentare

  1. Heller   •  

    Infos veraltet. Habe bis März in OM gelebt.

    • Hans-Jürgen Röttger   •     Author

      Mag sein, dass das eine oder andere nicht mehr aktuell ist, aber im Grunde ist Omaruru Provinz. Ob finsterste Provinz oder nur Provinz, das lasse ich mal offen.
      Ich kenne natürlich Omaruru sehr gut, mein Bruder hat in ca. 80 Km nördlich eine Farm, die er seit mehr als
      50 Jahren betreibt.

      Ich wollte Omaruru absolut nicht schlecht machen, möchte nur, dass die Besucher, die aus Europa kommen, keine falschen Vorstellungen haben.

      Würde mich interessieren, was sich den in den letzten Jahren Deiner Meinung nach verändert hat?
      Ich werde im Winter wieder unten sein, dann werde ich mir Omaruru mit wachem Blick ansehen.
      Wollte Dir nicht zu nahe treten, freue mich ja über jeden, der mein zweites Zuhause kennt.

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