Sambesi, der wildeste Strom Afrikas

Hippos am Sambesi

Sambesei, vom Rinnsal zum Strom.

Der Sambesi, oder Zambesi, ist der viertgrößte Fluss Afrikas.
Wenn man das unscheinbare Loch an der Quelle mit der kleinen Pfütze Wasser sieht, kann man kaum glauben, dass dieses Rinnsal einmal zum viertgrößten Fluss in Afrika werden würde. Auffallend ist, dass sich die Quelle schon nach wenigen Metern zu einem Bach mausert und dann schnell zu einem Flüsschen anschwillt. Die Quelle liegt direkt an einer Wasserscheide, sodass alles Wasser hier zusammenfließt.

Sambesi Quelle 870x450

Zu der Quelle in Sambia, nahe der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo verirren sich nur wenige Menschen. Mal ehrlich, wer sollte sich schon hierher verirren? Ich gebe zu, auch ich war nie in der Nähe des Quellgebietes, obwohl mich der Sambesi immer fasziniert hat und ich ein ganzen Stück recht gut zu kennen glaube.

Auf seinem Weg von der Quelle in Sambia bis zum Indischen Ozean legt der Fluss fast 3.000 Km zurück. Eine der schönsten Abschnitte sind zweifellos die Viktoria Fälle, wo sich der Sambesi ca. 110 Meter in die Tiefe stürzt. Auf seinem Weg kommt der Sambesi durch Sambia, Angola und Mosambik. Der Fluss ist auch noch Grenzfluss zwischen Sambia und Namibia, sowie zwischen Simbabwe und Sambia.

Ein Besuch der wohl berühmtesten Fälle Afrikas lohn sich immer, besonders, wenn er nichts kostet.

Sambesi verbindet deutsche Kolonien

Am östlichen Ende des Caprivi Zipfels, der heutigen Sambesi Region, fließt der Sambesi ein Stück als Grenzfluss zwischen Zambia und Namibia bis nahe den Viktoria Fällen.
Als im Jahr 1890 der Sansibar Vertrag unterzeichnet wurde, verzichtete das Deutsche Reich auf Sansibar und erhielt im Gegenzug die Insel Helgoland von den Engländern und den Caprivi Zipfel als Tausch. Der einzige Grund, den Caprivi Zipfel für Deutsch-Südwestafrika zu sichern war, einen Zugang zum Sambesi zu erhalten um eine Verbindung zu Deutsch-Ostafrika zu ermöglichen.

Schluchten des Sambesi 870x450

Auf seinem Weg zum Indischen Ozean fließt der Sambesi durch Gebirge, Moorlandschaften, Regenwälder und Savannen, bevor er in Mosambik in einem riesigen Delta in den Indischen Ozean mündet.

Vierzig Millionen Menschen sind vom Sambesi abhängig

In seinem Einzugsgebiet leben mehr als Vierzig Millionen Menschen, sein Fischreichtum versorgt mehr als fünfzig Völker, sein Wasserweg verbindet sechs Länder miteinander. Unzählige Tierarten leben an seinem Ufer und in seinem Wasser gibt es zehntausende Welse auf der Jagd nach kleineren Fischen, die wiederum von unzähligen hungrigen Krokodilen gejagt werden. Kaum eine Region ist so vielfältig, wie das Einzugsgebiet des Sambesi und immer eine Reise wert.

Krokodile am Sambesi 870x450

Nahe der Bezirkshauptstadt Mongu erreicht der Sambesi eine sandige Ebene, auf der sich der Fluss ungehindert ausbreiten kann. Der Sambesi fließt normalerweise einige Kilometer an Mongu vorbei, ist aber durch einen Kanal mit der Stadt verbunden. Ergiebige Regenfälle setzen das Gebiet regelmäßig unter Wasser, sodass die Wassermassen bis unmittelbar an die Stadt heranreichen.

Sambesi Bootstouren 870x450

Bootstouren, wirkliche Highlights für jeden Besucher

Oberhalb der Victoria Fälle ist der Sambesi durch den Zufluss des Chobe, der hier noch Cuando heißt, ca. 2 Km breit und ideal für geführte Bootstouren geeignet. Ab hier wendet sich der Strom exakt nach Osten. Hier kann man ohne Gefahr eine Vielzahl wilder Tiere und eine einzigartige Natur beobachten.

Hier ist der Fluss sehr breit und flach und wegen fehlendem Gefälle, sehr langsam. Etwas später geht der Fluss in das afrikanische Zentralplateau über wo er dann eine Schlucht erreicht, die in den Victoria Falls endet.
Ein unglaublicher Anblick, den man einmal im Leben gesehen haben sollte.

Die alten Wanderwege der Elefanten sollen geschützt bleiben

In diesem Bereich der beiden Flüsse liegen auf engstem Raum mehrere Nationalparks. Sicher zu den Highlights gehören der Chobe Nationalpark in Botswana und der Sambesi Nationalpark in Simbabwe. Viele weitere Parks gehören zum riesigen KAZA Schutzgebiet, dem Kavango-Zambezi Schutzgebiet, mit dem sich fünf Länder zu einem Grenzübergreifenden Projekt geeinigt haben, die uralten Wanderwege der Elefantenherden frei zu halten und nicht zu behindern.
Der Chobe Nationalpark ist besonders durch seine riesigen Elefanten- und Kaffernbüffel-Herden bekannt und ein ganz besonderes Ziel.

Elefanten am Chobe

Die Victoria Falls sind natürlich ein absoluter Höhepunkt auf der Sambesi Tour.

Wenn sich die Wassermassen über mehrere Kilometer Breite ca. 110 Meter in die Tiefe stürzen, bekommt man den Mund vor Staunen nicht mehr zu.
Im Jahr 1855 stieß der britische Abenteurer David Livingstone auf die Victoria Fälle, nachdem er den Sambesi stromaufwärts gereist war. Für ihn war der Sambesi der „Highway Gottes“. Allerdings war es ihm unmöglich, den Fluss weiter aufwärts zu ziehen.

Hier der Link eines früheren Berichts über die Viktoria Fälle

Gefahren lauern überall. Die Victoria Fälle

Vic Falls 870x450

Die Viktoria Fälle, unbeschreiblich schön

Die Victoria Fälle sind eine natürliche Grenze zwischen dem Oberlauf und dem Mittellauf des Sambesi. Der weitere Verlauf nach den Wasserfällen ist ebenso beeindruckend, wie die Fälle selber. Der Fluss zwängt sich durch senkrechte Basaltwände, die bis zu 250 Meter hoch sind. Die Geschwindigkeit der Strömung ist entsprechend hoch und durch die vielen Stromschnellen galten die Steilhänge als unüberwindlich. Erst der Bau diverser Brücken und Talsperren änderten das.

Der Kariba Stausee gehört mit seiner Länge von 280 Km und einer Breite von 18 Km zu den größten künstlichen Seen der Erde. Als der Stausee gefüllt wurde, mussten Zehntausende Menschen und unzählige Großtiere umgesiedelt werden. Das Wasserkraftwerk liefert Strom für Sambia und Simbabwe.

Nyaminyami 870x450

Nyaminyami wird sich fürchterlich rächen

Hauptbetroffen war der Stamm der Tongas. Die Tonga wurden aus ihren Hütten vertrieben. Jahrhunderte alte Bäume wurden abgeholzt. Sie zogen in höher gelegene Gebiete, denn sie glaubten fest daran, dass Nyaminyami sich rächen würde. Niemals würde der Gott des Sambesi es zulassen, dass Fremde seinen Flusslauf verändern. Und ebenso fest glaubten sie daran, dass der Wassergott sie weiterhin beschützen würde.

Die Tongas sind davon überzeugt, dass Nyaminyami ihnen das Land zurückgeben wird.

Als sich während des Baus 1957 eine der schlimmsten Überschwemmungen des Sambesi zutrug, war das für die Tonga eine Bestärkung ihres Glaubens. Niemand anderes als Nyaminyami konnte die Überschwemmungen verursacht haben. Denn so lange sie sich erinnern konnten, niemals zuvor hatten sie ähnlich verheerende Zerstörungen erlebt. Viele Arbeiter ertranken und wurden mit den Fluten mitgerissen. Auch zahlreiches Baugerät verschwand für immer in den Fluten. Ein Jahr später, eine noch größere Flut riss alles mit, was nicht Niet und Nagelfest war. Zwei „Sintfluten“ hinter einander, das gab es noch nie.

Ist der Kariba-Damm sicher?

Neueste Untersuchungen zeigen, dass sich der Damm als erschreckend brüchig erweist. Sollte der Damm tatsächlich in naher Zukunft nachgeben, was zahlreiche Experten vermuten, würden bestenfalls 40 Prozent der Stromversorgung des südlichen Afrikas wegfallen, schlimmstenfalls 3.5 Millionen Menschen ihr Leben verlieren. Durch den Bruch der Dammmauer würden auf einen Schlag 181 Milliarden Kubikmeter Wasser freigesetzt. Wenige Stunden später würde diese Riesenwelle des Sambesis flussabwärts mit voller Wucht auf den Cahora Bassa Staudamm in Zentral Mosambik treffen und wahrscheinlich auch diesen Damm zerstören. Ein Szenario, dass man sich gar nicht vorstellen möchte.

Nach dem Durchfließen des Karibasees erreicht der Sambesi ein breites und lang gestrecktes Tal. Hier erreicht der Fluss eine Breite von mehr als 5 Km. In der Regenzeit bildet sich ein riesiges Überschwemmungsgebiet das geradezu ideal für Flusspferde und Krokodile ist.

Cahora Bassa 870x450

Einer der größten Stauseen der Welt

Auf seinem Weg zum Indischen Ozean wird der Sambesi zu einem der größten Talsperren der Welt aufgestaut. Nur wenige Hundert Kilometer nach dem Kariba Staudamm wird hier der Fluss zur gigantischen Cahora-Bassa, bzw. zur früheren Cabora-Bassa-Talsperre. Hier häufen sich die Superlative. Eine 165 Meter hohe Staumauer, ein Stausee mit 250 Km Länge, eine Wasserfläche mit 2.800 km² und eine Kraftwerksleistung von über 2.000 MW.

Nahezu 100 % der Stromerzeugung geht an Südafrika. Der Eigenbedarf für Mosambik muss von dort zurückgekauft werden.

Sambesi Delta 870x450

Langsam neigt sich die lange Reise des Sambesi zum Ende. Nach einer fast 3.000 Km langen Strecke ergießt sich der Sambesi in einem großen Delta ins Meer, den Indischen Ozean. Das weit verzweigte Delta besteht aus Mangroven-Sümpfen. Hier ist Schluss für die Elefanten, denn hier vermischt sich das Süßwasser mit dem Salzwasser des Indischen Ozeans.

Eine Reise entlang des Sambesi ist Faszination pur, auch dann, wenn man nur Teilstrecken erkunden kann.

 

In diesem Beitrag enthaltene Links:
Bericht über die Viktoria Fälle

Ein Dankeschön der besonderen Art!

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Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

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