Swakopmund, warum der Nebel die Wüste am leben hält

Swakopmund, Perle am Atlantik

Swakopmund repräsentiert das Wilhelminische Namibia wie keine andere Stadt im südlichen Afrika. Hier leben besonders viele mit deutscher Abstammung und deswegen wird fast überall Deutsch gesprochen oder zumindest verstanden.

Wer nach Swakopmund reist könnte glauben, er sei in einer deutschen Kleinstadt gelandet. Erker, Stuck, Fachwerk, Walmdächer, Butzenscheiben und Türmchen schaffen eine Atmosphäre, wie in einer deutschen Provinzstadt.

Nebel hält die Wüste am Leben

In Swakopmund geht es beschaulich zu. Im Namibischen Winter, also zwischen April und Oktober, sind die Einheimischen fast unter sich. Der Benguela Strom, der mit 14 Grad kaltem arktischem Wasser entlang der Atlantikküste fließt, sorgt dafür, dass die Luft kondensiert und an immerhin mehr als 100 Tagen im Jahr als dichter Nebel in die Namib zieht und die spärliche Tier- und Pflanzenwelt am Leben erhält.

Spätestens im Laufe des Vormittag schafft es die Sonne, sich durchzusetzen, Wind wirbelt die Nebelschicht durcheinander und es wölbt sich ein klarer blauer Himmel über der „Perle am Atlantik.“

In Namibias Sommer ist Swakopmund eine gern besuchte Alternative zum Innland. Wenn es im Landesinneren mehr als 40 Grad heiß wird, ist es in Swakopmund angenehm kühl.

Die Stadt wurde 1892 von der deutschen Kolonialverwaltung Deutsch-Südwestafrika mit dem Ziel gegründet, hier einen wichtigen Hafen für die Einwanderer aus
Deutschland zu schaffen. Der deutlich besser geeignete Naturhafen Walvis Bay, stand unter britischer Verwaltung und stand deswegen nicht zur Verfügung.

Eine Mole als Lebensader

Das Ufer war flach und die Schiffe mussten weit draußen ankern. Alles musste in Brandungsboote umgeladen und mühsam an Land gebracht werden.
Das Anlanden von Material, Mensch und Vieh gestaltete sich, besonders bei rauer See mehr als problematisch.

Mole Swakopmund 870x450

Um diese gefährliche Ausschiffung überflüssig zu machen, wurde im Jahr 1899 eine 375 Meter lange Mole gebaut, die allerdings schon kurze Zeit später nicht mehr geeignet war, weil dauernd Sand aus dem Swakop angeschwemmt wurde und das Wasser wieder zu flach wurde.

Mit der Deutschen Kapitulation im ersten Weltkrieg haben sich Händler, Siedler und Verwaltungsbeamte in Swakopmund niedergelassen. Swakopmund wurde zu einem beliebten Urlaubsziel für Gäste aus aller Welt und für die hitzegeplagten Inländer.

Der Leuchtturm ist das Wahrzeichen von Swakopmund.

Neben den vielen wunderschönen Gebäuden wie dem Hohenzollernhaus, dem alten Bezirksgericht mit Leuchtturm und dem Woermann Haus, ist der alte Bahnhof ein weiteres Schmuckstück. Wunderbar restauriert ist dort heute ein Kasino und ein Luxushotel mit Restaurant integriert.

Swakop Leuchtturm 870x450

Ein Einkaufsparadies

Swakopmund bietet eine Fülle von Geschäften Souvenirshops, Restaurants und Bars. Alle Angebote sind von recht hoher Qualität.

Swakop Einkaufsstraße870x450

Neben dem großen Angebot an Wildspezialitäten gibt es ein Rindfleisch, das mindestens mit dem Argentinischen mithalten kann. Ein Rind braucht eine Fläche von ca. 14 Ha. um genug Gras zu finden, um satt zu werden. Nach dem Motto: hier ein Grasbüschel, do vorne noch eins und in 10 Metern Entfernung habe ich noch eines gesehen!
Ein Rind muss dauernd in Bewegung bleiben, um satt zu werden. Das gibt bestes Muskelfleisch.

Straßen aus Salz. Geht das?

Auffallend sind die Straßen in Swakopmund. Nicht nur, dass sie überbreit sind, eine ganze Menge sind auch aus Salz gebaut.

Die Breite war notwendig, damit man jederzeit und überall mit 6 und 8-spännigen Ochsenkarren umdrehen konnte. Dieses Prinzip gilt fast in allen Städten Namibias, selbst in Windhoek auch heute noch.

In der Nähe von Walvis Bay gibt es große Anlagen, um aus dem Meer Salz zu gewinnen. Das Salz wird mit großen Gradern in den Straßenkoffer eingebaut, wie bei uns Kies und Schotter. Da das Salz nass eingebaut wird, lässt es sich mittels Walzen prima verdichten. Reifenabrieb und Auspuffgase sorgen dafür, dass die Straßen nach kurzer Zeit aussehen, wie Asphalt bei uns. Einen großen Nachteil, hat die Geschichte. Durch die tägliche Morgenfeuchte wird das Salz auf die Unterseite der Autos geschleudert und sorgt für massiven Rostbefall. Nach einem Besuch in Swakopmund wird erst einmal das Fahrzeug gründlich gewaschen und der Unterboden darf nicht vergessen werden.

Swakop Straßen aus Salz

Gebrauchtfahrzeuge aus Swakopmund haben auf dem Markt wenig Chancen, oder der Preis ist so schlecht, dass es sich für den Käufer lohnt.

Ausflüge, die sich lohnen

Ein weiteres Wahrzeichen von Swakopmund ist die alte Mole oder der Steg (Bild oben) Früher ein Treffpunkt für Verliebte, heute ein Anglerparadies. Durch Spenden werden nach und nach verrostete Stahlträger durch Beton erwetzt. Weite Teile der Brücke sind nicht begehbar, bilden aber ein beliebtes Fotomotiv. Direkt am Strand bietet das moderne Aquarium einen Überblick über die Meeresfauna. Der Dampftraktor „Martin Luther“ ( „hier stehe ich und kann nicht anders“) steht direkt an der Straße nach Windhoek, wo sie vor Einhundert Jahren stehen geblieben ist. Dieses „Ungeheuer“ war dazu gedacht, Versorgungsgüter ins Landesinnere zu transportieren. Das große Gewicht und der Bedarf an Brennholz für die Dampferzeugung machten einer Probefahrt nach wenigen Km ein Ende.

Lokomobil Swakop 870x450

Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

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