Traumstraße entlang der Küste. Von Swakop bis Sandwich Harbour

Von Swakopmund bis Sandwich Harbour

Nach der ereignisreichen Fahrt durch die „Mondlandschaft“ geht es weiter nach Swakopmund. Am Nachmittag erreichen wir das Küstenstädtchen und beziehen das Ferienhaus von Freunden meines Bruders. Das Haus ist wunderschön, hat drei große Schlafzimmer und jede Menge Platz drum herum. Platz ist etwas, was man in Namibia zur Genüge hat.

Hinter dem Haus sind ein befestigter Abstellplatz und eine größere Rasenfläche. Der übliche „Braai-Platz“ ist ebenfalls vorhanden. Dass hier der Rasen überlebt, liegt an der morgendlichen Nebelwand, die auch für das Überleben der dürftigen Vegetation der Namib ursächlich ist.
Bevor wie weiter fahren, wollen wir noch ein paar Tage in Swakop bleiben. Jedenfalls haben wir ordentlich Hunger und sind zu faul, uns selber etwas zuzubereiten.

Nach einer erholsamen Dusche geht es in die nahe gelegene Stadt. Ich war schon lange nicht mehr im „Swakopmund Hotel“ und würde gerne wieder einmal die herausragende Küche des Restaurants eines vier Sterne Luxushotels genießen.

Das Abendessen haben wir uns verdient

Das historische Hauptgebäude gehört nach wie vor der TransNamib Eisenbahngesellschaft und ist ein Highlight der Architektur.

Historischer Bahnhof Swakop 870x450

Das Essen ist wie immer ein Genuss, den man sich angesichts der erstklassigen Wechselkurse, sehr gut leisten kann. In Europa würde man leicht das Vierfache dafür bezahlen.

Wir lassen den Abend mit Freunden in einer kleinen Bar, die einem Deutschen Auswanderer vom Bodensee gehört, ausklingen und ich fühle mich rundrum wohl und bin überglücklich, wieder einmal in Namibia sein zu können.

Das Frühstück am nächsten Morgen entspricht unseren Deutschen Gewohnheiten. Ich war schnell in der Nähe einkaufen und habe frische Brötchen und Hörnchen eingekauft. Ja, das gibt es hier alles dank der vielen Deutschstämmigen Rentner, die hier gerne ihren Lebensabend verbringen.

Nach drei schönen Tagen der Erholung und dem Auffrischen alter Bekanntschaften, geht es weiter nach Südwesten.

Der Sand erobert alles

Walvis Bay liegt knapp 30 Km südlich von Swakopmund und ist durch eine „Traumstraße“ direkt am Meer entlang verbunden.

Auf dem Weg nach Walvis Bay gehen die riesigen Wanderdünen auf der linken Seite bis direkt an die Straße. Natürlich gehört es zum Standardritual, eine der Dünen zu erklimmen, ist das doch schon fast ein Muss, wenn man von Swakopmund nach Walvis Bay fährt. Bis man allerdings auf den rund 200 Metern Höhe angelangt ist, muss man hier ganz schön kämpfen.

Wanderdünen 870x450

Mit jedem Schritt sinkt man unglaublich tief ein und an den Steilstellen rutscht man immer wieder zurück. Am Ende haben wir es dann aber doch beide geschafft. Wir werden zwar immer älter, aber diese Herausforderung, zu der auch ein wenig Erfahrung gehört, schaffen wir immer noch.

Schließlich geht es im Laufschritt wieder herunter, zurück in unseren tatsächlich recht komfortablen Geländewagen und setzen unsere Fahrt fort.

Die Küstenstraße ist voll asphaltiert und gut zu befahren, wie die meisten Straßen in Namibia, die recht gut ausgebaut sind. Überhaupt ist das Straßennetz für ein solch riesiges, dünn besiedeltes Land, überraschend gut befahrbar. Abgesehen von den Straßen hoch oben im Norden, die man oft nicht als Straßen bezeichnen kann, würde man großteils auch ohne Geländewagen klar kommen.

Nicht ohne Allrad

Wir haben uns – trotz des höheren Mietpreises – immer angewöhnt, einen 4 x 4 zu mieten, einfach, weil es sicherer ist. Es kann immer mal wieder verschlammte Stellen geben, auf denen man mit Wagen ohne Vierradantrieb dann sehr zu kämpfen hat. Auch bei gelegentlichen Verwehungen auf der Piste bewährt sich der 4×4, während man mit einem „normalen“ Wagen durchaus Probleme haben kann. Da ich oft in der Regenzeit unterwegs bin, besteht auch immer die Gefahr, dass man an ein laufendes Revier kommt, durch das man mit Allrad noch fahren kann, ohne Allrad ist das jedoch viel zu gefährlich.

Man kann mit dem Allrad auch einmal einen Abstecher in eines der Reservate machen, und auch den Norden des Landes komplett befahren – mit einem gewöhnlichen PKW muss man darauf verzichten. Und da wir nur ungern auf Routen verzichten, die voller Sehenswürdigkeiten sind, und auch Wert auf Sicherheit legen, gehört bei jeder Namibia-Reise der 4×4 für mich fest zum Programm.

Auch wenn wir die Safari-Ausrüstung und das Dachzelt so gut wie nie nutzen. Das bleibt allein Notfällen vorbehalten. In Namibia findet man genug Lodges, Hotels und Farmen zum Übernachten, die meist auch noch vergleichsweise günstig sind. Die Camper sind deshalb immer noch in der Minderzahl im Land, und daran wird sich wohl so schnell nichts ändern. Aber zugegeben, ein Abenteuer ist es natürlich schon.

Walvis Bay ist eigentlich weniger ein Touristenort, als vielmehr ein wirtschaftliches Zentrum. Hier liegt unter anderem auch der einzige Tiefwasserhafen in ganz Namibia – selbst zwischen Kapstadt und Luanda, gibt es keinen weiteren Tiefwasserhafen.

Lüderitz im Süden, mit seiner Tiefe von etwa acht Metern, ist nur für kleinere Schiffe geeignet, erfahren wir von einem, der aussieht wie ein Seemann – und offensichtlich auch einer ist.

Sandwich Harbour 870x450

In einer Lagune südlich der Stadt Walvis Bay treffen wir dann auf ein international bekanntes Vogelschutzgebiet – angeblich liegt hier einer der bedeutendsten Wattbereiche im ganzen südlichen Afrika.

Die Lagune, ein Vogelparadies par excellence

Über 160.000 Vogelarten finden hier Schutz und ein Zuhause, für über 200.000 Seeschwalben bietet das Gebiet Nahrung während ihrer Züge von und zu den antarktischen Regionen. Und etwa 70 % aller auf der Welt vorkommenden Rotband-Regenpfeifer leben ebenfalls in dieser Lagune, so wie mehr als drei Viertel aller Flamingos im südlichen Afrika suchen hier nach Nahrung, verrät uns eine Infotafel.

Die Attraktion des heutigen Tages: Mit einem gemieteten Kajak paddeln wir ein Stück durch die Lagune. Das Panorama, das sich uns bietet, ist wirklich unglaublich. Ab und an schrecken wir die Flamingos auf, und wenn sie sich zu sehr durch uns gestört fühlen, was wir tunlichst zu vermeiden suchen, erhebt sich immer wieder eine riesige rosa Wolke in den Himmel.

Sandwich Harbour

Später machen wir uns auf in das in etwa 40 km südlicher Entfernung liegende Sandwich Harbour. Sandwich Harbour ist eine ehemalige Bucht im Atlantik, die mit der Zeit so versandet ist, dass keine direkte Verbindung mit dem Meer mehr besteht. Es hat sich eine etwa zehn Kilometer lange Lagune gebildet, die fast genauso beeindruckend ist wie die bei Walvis Bay – auch mit ebenso vielen Tieren. Das hier liegende Feuchtgebiet ist von einem dichten Schilfgürtel umgeben, der sich, wie man uns erzählt, wegen der dauernden Verschiebung der Sandmassen in seiner Lage und Ausdehnung permanent verändert.
Das Innere der Lagune bietet etwa einer halben Million Seevögel ein geschütztes Areal und einen idealen Lebensraum. Mit dem Boot geht es wieder hinaus in die Lagune. Das war heute ein wirkliches Highlight, für das sich eine Namibiareise immer lohnt.

Die Namib ist übrigens weltweit die einzige Wüste, die direkt an ein Meer grenzt. Das bedeutet, dass es tagsüber höllisch heiß und nachts „Hundekalt“ ist.

Die Flüge nach Namibia sind nicht so sehr teuer. Wenn ich aber mit etwas Glück zum gleichen Preis erste Klasse fliegen kann, warum nicht?

Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

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