Unglaublicher Überlebenskampf

Twyfelfontein

Nach ein paar Tagen auf der Farm meines Bruders nördlich von Omaruru, haben wir uns entschlossen, unsere Rundfahrt mit einem Abstecher fortzusetzen.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf und fahren von Omaruru aus in Richtung Uis, dann über Khorixas nach Westen bis nach Twyfelfontein.

Twyfelfontein, oder „zweifelhaften Quelle“, die bekannt ist durch die unzähligen Felsgravuren in ihrer Umgebung.

Über 2.500 Felsmalereien hat man hier schon gezählt. Die Zeichnungen sind sehr gut erkennbar und werden Buschmännern zugeschrieben.

Über ihr Alter sind die Experten sich aber nicht ganz einig, die Schätzungen bewegen sich immerhin zwischen 2.000 und 10.000 Jahren. Hier gibt es wohl noch einigen Forschungsbedarf. Aber beeindruckend sehen sie schon aus – wenn man bedenkt, dass sie von Menschen geschaffen wurden, die möglicherweise schon lange vor den Römern gelebt haben.

Die San, fälschlicherweise allgemein als Buschmänner bezeichnet, was die San als abwertend und gar beleidigend empfinden, gibt es übrigens noch heute in Namibia, sie leben – mit einigen Abstrichen – nahezu noch immer so traditionell wie eh und je. Beim Besuch der Quelle begegnen wir aber keinem. Wir werden sie aber später noch treffen.

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Damaraland

Dieses Gebiet ist noch spärlicher besiedelt als der Rest von Namibia, unglaublich karg, ausgedörrt und wild. Auf der Fahrt in diesem Gebiet säumen immer wieder grandiose Landschaften mit bizarren Bergen und weiten steinigen Ebenen unseren Weg. Es ist kaum vorstellbar, dass hier überhaupt Menschen leben, leben können, leben wollen. Man trifft nur selten auf Siedlungen. Dafür aber viel häufiger auf wild lebende Nashörner und Wüsten-Elefanten. Dieses Glück ist uns heute aber nicht hold. Mit dem Auto hier unterwegs zu sein, erfordert gute Planung und genug Ersatzreifen. Es ist unglaublich, welchen Überlebenskampf Pflanzen und Tiere täglich führen.

Auf dem Weg nach Khorixas machen wir noch einen Abstecher in den versteinerten Wald mit Resten von 250 Millionen Jahre alten Baumstämmen. Gegenüber diesen Äonen alten Riesen sind die Felsgravuren bei Twyfelfontein eine Kinderkrankheit.

Die alten versteinerten Bäume mit ihren unglaublichen Ausmaßen sind ehrfurchtgebietend. Wir verstummen bei dem Anblick, werden für den Moment immer wortkarger. Man wird sich plötzlich bewusst, wie klein und unbedeutend, wie kurz so ein menschliches Leben eigentlich ist. Lediglich ein Wimpernschlag – in einer viel größeren Geschichte. Schon etwas nachdenklich machen wir uns wieder auf den Weg.

Die Fingerklippe

Eine Weile später, etwa 45 Km nordwestlich von Khorixas auf dem Weg nach Outjo, kommen wir zu einer Sehenswürdigkeit, die wir uns keinesfalls entgehen lassen wollten: der Fingerklippe. Eine 35 Meter hohe Felsklippe ragt hier senkrecht in die Höhe, die schon von weit her zu sehen ist. Sie ist durch Erosion aus 30 Millionen Jahre altem Kalkstein entstanden.

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Wir erklimmen die Anhöhe bis zum Sockel – nicht ganz ohne Mühe – und haben dafür aber von dort aus einen unendlich weiten Ausblick auf das breite Tal des Ugab Riviers, den wir schweigend genießen.

Der verbrannte Berg, der nahezu eben so alt ist, wie die Orgelpfeifen, erwartet uns dann nur wenige Kilometer entfernt. Er ist eigentlich nicht wirklich verbrannt, aber bei seiner Entstehung haben tatsächlich sehr hohe Temperaturen eine Rolle gespielt.

Hier kamen nur unterirdische Lavamassen mit den Tonbestandteilen des Gebirgszuges in Berührung und haben den Ton, der mit Teilen von organischen Bestandteilen durchsetzt war, bei sehr hohen Temperaturen regelrecht gebrannt und ausgehärtet. Vor uns liegt ein ganzer Berg, der praktisch aus genau demselben Material besteht, wie die zahlreichen Tongefäße, die Archäologen bei uns scherbenweise aus der Urzeit ausgraben.

In der schon aufkommenden Abenddämmerung bildet der 80 Millionen Jahre alte Lavastrom, der durch Hitze- und Druck aus dem Erdinneren entstanden ist mit seiner rotbraun-violetten Farbe einen beeindruckenden Kontrast zu dem 200 Millionen Jahre alten beigen Umgebungsgestein. Das gibt, je nach Tageszeit, tolle Fotomotive. Und einige Fotos für zuhause.

Die Orgelpfeifen

Ein weiteres der Naturdenkmäler dieser Gegend wollen wir heute ebenfalls noch besuchen: das Tal der Orgelpfeifen. Diese bei Touristen auch recht bekannte Sehenswürdigkeit liegt in unmittelbarer Nähe vom etwas weniger bekannten, „verbrannten Berg“. Dafür müssen wir mit unserem Geländewagen wieder in Richtung Twyfelfontein zurück, die kurze Strecke ist aber bald geschafft. Vor uns liegt das Tal der Orgelpfeifen in der Nachmittagssonne. Basalt gibt es in Namibia ja zur Genüge – die „Orgelpfeifen“ allerdings sind völlig gleichmäßig ausgerichtete, jeweils sechs- oder achtkantige Säulen aus Lavagestein.

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Diese Säulen entstanden vor ca. 150 Millionen Jahren durch das Eindringen flüssiger Lava in eine Schiefergesteinsformation, die im Laufe der Zeit durch Erosion freigelegt wurde. Die Lava kühlt dabei von außen nach innen ab und weil sie sich dabei nicht in jede Richtung ausdehnen konnte, entstanden diese bizarren Formen. Der heutige Tag scheint uns gleich mehr als einmal vorzuführen, wie klein wir angesichts der gewaltigen Naturmächte und der unermesslichen Zeiträume der Erde doch sind, mit all unserem Fortschritt und unseren Technologien bleiben wir winzig.

Auf sehr abwechslungsreiche und spannende Art und Weise wird die Geologie Namibias in dem Buch „Namibias faszinierende Geologie“ von Nicole Grünert beschrieben. Ein Buch, das sich wirklich lohnt.

Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

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