Vom Chobe Nationalpark zurück nach Namibia

Im Eiltempo zurück nach Namibia

Am Morgen beschließen wir, vom Chobe Nationalpark aus nicht zum Caprivi zurück zu fahren, sondern die Strecke durch Botswana nach Maun zu nehmen. Die gut ausgebaute Straße führt von Maun über Ghanzi nach Gobabis. Wir überlegen, dass diese Strecke eigentlich in einem Tag zu schaffen sein müsste – und behalten recht.

Der Ort Maun liegt im Süden des riesigen Okavango Deltas der nördlichen Kalahari in Botswana. Der Ort mit rund 30.000 Einwohnern lebt hauptsächlich von den Touristen, die das Okavango Delta erkunden wollen – besitzt dabei aber keinen Stadtkern im eigentlichen Sinne – es sind nur einige große Straßen asphaltiert.

Das Zentrum bilden zum einen der Flughafen mit einigen angrenzenden Safariveranstaltern und Cafés, zum anderen die Anlagen rund um das Cresta Rileys Hotel.

Gefährliche Landung für Buschpiloten

Maun dient als Ausgangsort für Expeditionen ins Okavango-Delta und in den Chobe Nationalpark und dadurch gewinnt die Stadt – trotz ihres fehlenden touristischen Reizes – immer stärkere touristische Bedeutung. Der Flughafen von Maun gehört zu den meistfrequentierten im südlichen Afrika.

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Erfahrene Buschpiloten bringen von hier aus ihre Gäste zu den zahlreichen, oft sehr entlegenen und schwer zugänglichen Safari Camps im Okavango-Delta sowie zum Chobe Nationalpark. Wir unterhalten uns mit einem Piloten, der hier schon seit Jahrzehnten fliegt – und mittlerweile von Touristen gut leben kann.

Auch er ist der Meinung, dass sich vieles im Gebiet nicht wirklich zum besseren hin entwickelt, trotzdem, dass sich heute mit Tourismus einfach mehr Geld verdienen lässt als früher.

Diese Piloten sind absolute Könner, müssen sie doch oft unter schwierigsten Bedingungen starten und landen. Noch erstaunlicher ist, dass ganz selten etwas passiert.

Allrad Safari nicht ungefährlich

Das Okavango Delta ist ein riesiges Flussdelta in der nördlichen Kalahari Wüste. Die Größe des Gebiets ist mit ca. 20.000 Quadratkilometern durchaus beachtlich. Gespeist wird das Delta durch den 1.700 Km langen Okavango Fluss, der im Hochland von Angola entspringt und von dort in das Kalahari Becken fließt, von wo es keinen Abfluss gibt. Im Kalahari Becken verzweigt sich der Fluss in zahllose Arme und bildet tausende kleiner Inseln. Diese Tatsache macht es Allradfahrern auch so schwer, einen fahrbaren Weg zu finden. Ein Großteil des Wassers verdunstet in der glühenden Hitze und ein Teil versickert im Wüstensand. Weite Teile des Deltas sind deswegen sumpfig und nicht ohne Gefahr zu befahren. Ein Einsinken wäre mit dem Totalverlust des Fahrzeugs verbunden. Hierher kommt niemand zum Abschleppen.

So schön kann der Okavango sein

So schön kann der Okavango sein

Der überwiegende Teil des Okavango Deltas ist ganzjährig unzugänglich. Als dann in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ein mehrere Tausend Quadratkilometer großes Gebiet für den Safari Tourismus frei gegeben wurde, das Moremi Wildreservat, änderte sich das ein wenig. Moremi liegt etwa 100 Km nördlich von Maun und ist mit seinen dichten Mopane Wäldern, Riedgrassümpfen und goldenen Savannen ein einzigartiges Wildparadies von unglaublicher Schönheit und Vielfalt.

Das Okavango Delta ist eine der schönsten Gegenden für Fahrten mit dem 4×4. Wenn man vernünftig ist, und nicht versucht, in der Regenzeit in das Gebiet zu fahren, ist der Besuch des Okavango Deltas eine der schönsten und abenteuerlichsten Fahrten, die man mit einem Allrad alleine unternehmen kann, allerdings nicht ohne Vorkehrungen, die ich schon des Öfteren beschrieben habe.

Am nächsten Tag, nach einer unruhigen Nacht in einem nicht so überzeugenden Hotel in Maun beschließen wir trotzdem, weiter durch Botswana nach Namibia zu fahren.

Zurück in Namibia. Wir haben noch einiges vor.

Durch die gut ausgebauten Straßen ist die Entfernung zur Grenze nach Namibia gut zu schaffen. Wir freuen uns darauf, endlich wieder gastfreundlicheren Boden unter die Füße zu bekommen. Ich lasse mir noch einmal die Bemerkung zu Peter durch den Kopf gehen, dass es durchaus schön wäre, in Namibia zu bleiben.

Vielleicht, eines Tages – und der Gedanke erweckt durchaus so etwas wie Freude in meinem Inneren. Es ist ein schönes Gefühl, wenn es neben der Heimat auch noch ein Land gibt, das man als zweite Heimat betrachten kann. Jetzt gerade, wo wir wieder die Grenze überqueren, um aus dem ungastlichen Botswana wieder ins vertraute Namibia zurückzukehren, wird mir das wieder besonders eindringlich bewusst. Allerdings gibt es ein Problem. Meine Frau würde auf Dauer nicht ohne Stadt auskommen. In Namibia sind selbst große Städte wie ein Dorf. Jeder kennt jeden.

Die Provinz lässt grüßen

Noch schlimmer ist, die Erwartung der Weißen, wenn „man“ nicht abseits stehen möchte.
„Man“ geht in diese oder jene Kirche, „man“ spielt am Sonntag früh in weißen Klamotten Kricket, aber nur die Männer, Frauen sind unerwünscht, „man“ ist in mindestens einem Club Mitglied, um Kontakte zu knüpfen, usw.. Alle Reglementierungen, die mit „man“ anfangen, sind nichts für mich.

Nach der langen, trockenen und landschaftlich wunderschönen Fahrt durch Botswana gönnen wir uns noch einen ruhigen Tag in Gobabis. Gobabis ist Distrikthauptstadt und ist Hauptversorger der umliegenden Farmen, die zu einem großen Teil deutschstämmig sind.

Die Bevölkerung wird großteils von Hereros gestellt, die auch aus Botswana zum Einkaufen kommen. Wir beziehen auf einer Farm Quartier und werden dort überaus herzlich aufgenommen. Am folgenden Tag lerne ich noch viel über das Farmleben an solch abgelegenen Orten, an die Schwierigkeiten, die die fehlende Anbindung an jedwedes Netz, sei es Wasser oder Strom, mit sich bringt, aber auch an die Unabhängigkeit, die ein so autarkes, auf völlige Selbstversorgung ausgerichtetes Leben bietet.

Mein Bruder kennt viele solcher Farmen. Es hat, sagt er, wie immer zwei Seiten – aber die Leute hier kommen gut damit zu Recht -und was noch viel wichtiger ist: sie sind glücklich, zufrieden mit ihrem Dasein, auch wenn nicht immer alles optimal ist.

Das ist etwas, das uns Europäern oft genug abgeht, denke ich – und ich glaube es wäre eine wertvolle Lektion für uns. Auch darin, wieder unterscheiden zu lernen, wie viel wir tatsächlich brauchen – und was eigentlich überflüssig ist.

Machen Sie eine schöne Reise, los gehts.

Hans-Jürgen Röttger

Mein Name ist Hans-Jürgen Röttger und meine Reisen führten mich schon seit frühester Jugend in alle Welt. Schon als Schüler habe ich Europa erkundet, mit Freunden auf dem Fahrrad, dem Motorrad und kostengünstig mit dem Zelt. In den späteren Jahren war ich beruflich als Geschäftsführer in einem Bereich tätig, der mich sehr viel reisen ließ, vorwiegend innerhalb Europas und dem fernen Osten. 1963 wanderte mein Bruder nach Namibia aus und bewirtschaftet seit nunmehr fünfzig Jahren dort die Gästefarm "Erindi Onganga". Seit Mitte der 70er Jahre reise ich regelmäßig nach Namibia und mache fast immer Abstecher nach Kapstadt, was bei den günstigen Wechselkursen sehr preiswert möglich ist. Aber nicht Pauschalreisen sind es die mich reizen, (habe ich auch schon gemacht) sondern alleine oder mit meinem Bruder im 4x4 das Land zu erkunden. Jede Reise ist anders, und man muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Aber Vorsicht! Das faszinierende Land lässt einen nicht mehr los und man will immer wieder hin.

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